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Kurz-Review Johnnie Walker Green Label 15 Jahre Blended Malt

Johnnie Walker Green Label Blended/vatted Malt Whisky

Alter: 15 Jahre

Preis: ca. 35 Euro

Bezugsquelle: Whiskyzone.de

Normalerweise sind schottische Blends nicht so meins. Irische Blends können was, aber schottische, da fehlte mir bisher der Bezug zu, auch wenn ich nichts dagegen habe, mal einen 12er Chivas Regal zu trinken bei Personen, die nichts anderes im Haus haben ;).

Der Green Label ist ja wiederum eine andere Geschichte. Kein klassischer Blend, kein Tropfen Grain Whisky drin. Der Green Label besteht aus vier bekannten Single Malts aus dem DIAGEO-Konzern. Caol Ila, Cragganmore, Talisker und Linkwood. Bis auf den Linkwood gehören diese Malts zum Standard-Sortiment meiner Sammlung, weswegen ich die Geschmäcker der einzelnen Malts also recht gut kenne (mit einer Ausnahme). Daher war ich sehr gespannt.

Aufgemacht, den Korken gezogen (richtiger Korken, US-Importe haben Schraubverschluss anscheinend!) und dran geschnuppert. Riecht würzig. Gut

Nase: Honig. Würziger Honig. Von Rauch durch den Caol Ila vor allem keine Spur. Ein wenig grünes Obst. Nektarine? Malz. Eiche. Bissl Vanille.

Gaumen: Süßer Honig und ein dicker fetter Laster mit gerösteten Cornflakes fährt ein… Dahinter eine gewisse Würze, die keine Eiche ist. Der Talisker? Angenehm. Der Cragganmore ist hier, wie ich finde, am dominantesten, leicht, floral, bißchen Vanille und trotzdem hat der Cragganmore meines Erachtens eine gewisse Würze. Rauch, Phenol und Co nicht anwesend. Caol Ila wird wohl nur ultrawenig drin sein. Danach wieder floral und zwischendurch wieder neben dem Honig sowas wie Nektarine (oder Apfel?) und dann wieder Cornflakes. Lecker.

Abgang: Mittellang. Da bleibt schon was. Würzig. Energie. Oh, da etwas Rauch? Schwierig zu fangen. Aber kann was in dieser Kategorie.

Alles in allem für den Preis vollkommen in Ordnung, ein leckerer Blended Malt. Sehr gefällig, was er ja sein soll, in keiner der Aromen zu extrem. Mit Red Label und dem anderen Gerödel hat das hier wirklich nichts zu tun. Hier gibts eine gefällig designte Mischung aus 15jährigen Single Malts, bei der niemand meckern kann.

Kurz-Review Teeling Rum Cask Finish Irish Whiskey

Yes Weekend! Heute mit einem Teeling Small Batch Rum Cask Irish Whiskey. Die Teeling-Distille ist legendär, war erst verschwunden und die Familie mischte in anderen großen Distillen Irlands mit. Jetzt wieder an der Clontarf Road in Dublin. Ein Stück irischer Geschichte.

Kurzfacts: No age statement, non chill filtered, kein Farbstoff. Dreifach destilliert wie es sich für einen Iren gehört. Blend aus Grain und Malt mit hohem Malt-Anteil. Nachreifung in nicaraguanischen Rum-Fässern. Seriously.

Der Geruch ist sehr schön. Viel Eiche. Floral. Karamell, Vanille. Kaum Alkohol trotz des relativ hohen Gehalts. Irgendeine leichte Nuss? Ingwer. Äpfel oder Birnen? Frühling nach einem kurzen Regen. Mal noch ein wenig schnuppern. Und nachher mal dann auch trinken ;). Wie der letzte am Ende auch mit Wasser ein wenig aufschließen.

So… Dann mal los.

Nase: Zitrus, Zucker, Vanille, ein bissl Eiche mit ihrer besonderen Würze, Karamell. Nicht besonders, aber auch nicht schlecht.

Aroma: Zucker, Würze, Rum, Eiche, Vanille, ein wenig Schärfe die aber eher wohl vom nicaraguanischen Rum-Fass und den Rum-Resten kommt.

Abgang: Mittel, scharf, Pfeffer-Würze.

Fazit: Solider Ire, recht günstig zu kriegen. Schönes Experiment mit dem Rum Cask-Finish, aber mich haut er nicht sooo vom Hocker.

Review Glendalough 10 Jahre Irish Whiskey Single Malt „Dublin in the ould times“

Glendalough 10 Jahre Single Malt „Dublin in the ould times“
Preis: ca. 50 Euro
Quelle: Whiskyzone.de

Infos:
Glendalough gibt es erst seit wenigen Jahren im Ort gleichen Namens. Sie nennen sich „Craft Distillery“, stellen Poitins, Gins und Grain und Single Malt Whiskeys her. Offiziell gibt es einen 7jährigen und einen 13jährigen Single Malt. Hinter der Firma steckt eine kleine 4köpfige Gruppe von Enthusiasten, als Mitinvestor konnte auch die irische Rugby-Legende Brian O’Driscoll  gewonnen werden. Brian O’Driscoll trug die Trikotnummer 13 (im Rugby Union gibt die Nummer die Spielposition an, hier dann Outside Centre), daher ist der ältere Single Malt auch eben ein 13er und kein zB 12er :D.

Der 10er hier war eine Sonderabfüllung zu Ehren des irischen Folk-Sängers Pete St. John. Da die Whiskeys älter sind als die Distille (4 Jahre Vertrieb eingekaufter Destillate, erst seit 2 Jahren eigene Pot Stills, wenn auch kleine Holsteiner Potstills) und deren selbstgebranntes Whiskeydestillat folglich noch reift im eigenen Warehouse sind die momentanen Sorten zugekauft, so wie es andere in Irland ebenfalls machen, der Tullamore Dew Single Malt zum Beispiel ist aus derselben Quelle zugekauft. Ursprünglich sind es Cooleys Single Malts, die auch von anderen Firmen als Ausgangsprodukt zur Veredelung genutzt werden wie bereits erwähnt.

Über den 7er und 13er habe ich bisher nur gutes gehört, aber nicht probiert. Meine Wahl ist auf den 10er gefallen, weil der schön in der Mitte liegt und weil er als „Signature Edition“ auch etwas abgefahrener ist :D. Im Gegensatz zu den 7ern und 13ern allerdings ist der 10er nur mit 40% abgefüllt. Ob sich das wiederspiegeln wird?

„Tasting Notes“

Nase: Unverkennbar ein Ire. Aber am dominantesten ist am Anfang der Geruch nach Banane. Dann Honig, viel Karamell. Apfel. Birne. Marzipan. Mandel. Nuss. Dann immer wieder Banane. Oh, da ist feuchtes Holz und Eiche! Und nach einiger Zeit wieder Eiche. Aber immer fruchtig süß. Alkohol zwar riechbar, aber geht in den Aromen unter.

Die bisher genossenen irischen Single Malts aus dieser Altersklasse (unter anderem mein geliebter solider 10er Bushmills, aber auch der 10er Tullamore Single Malt, der sogar derselbe Whiskey ist streng genommen ;), da auch von Cooleys eingekauft) hatten aber alle dieses Profil gen Marzipan und Karamell, auch mal Apfel. Aber die Banane so eindeutig war neu. Überraschend, da ja der Single Malt von Tullamore Dew noch bis 2024 Cooleys ist, da Grant (Glen Fiddich) die alte Distille erst 2014 wieder in Tullamore eröffnet hat.

Zunge/Mund: Süß. Aber auch würzig. Karamell, Honig, Vanille dominieren. Ein Ire halt. Smooth. Fast schon zu smooth. Die 40% im Gegensatz zu den sonst von Glenadlough benutzten 46% waren imho nicht die richtige Entscheidung. Genau das wäre noch das aromatische kleine Stückchen gewesen, um ihn weiter nach vorne zu bringen. So bleibt es ein guter Geschmack, aber das i-Tüpfelchen fehlt.

Abgang: Weich, smooth, aber relativ kurz. Etwas Würze. Da hättens 46% echt gebracht.

Fazit:
Schwierig. Einerseits ist es schön, das Revival neuer Distillen in Irland zu sehen und zu unterstützen. Andererseits muss mensch damit leben, daß erstmal viel aus den normalen „Quellen“ (und es gab bis vor kurzem nur die großen 3 in ganz Irland) benutzt wird, bis die Destillate der Noobs fertig gereift sind. Daher ist 50 Ocken für einen 10er Single Malt echt happig, denn als Benchmark nehme ich da immer den 10er Bushmills Single Malt, der Kaiser aller Preisleistungs-Kracher in Sachen Irish Whiskey.Und den krieg ich für 20 Euro manchmal. Selbst der Tullamore Dew Single Malt, bei dem es sich exakt um denselben Grund-Malt von Cooleys handelt (aber eben von Grand/Glen Fiddich gereift) kostet manchmal 20 Euro weniger, allerdings ist Grand/Glen Fiddich auch bereits ein großer Konzern und keine mittelständische Firma mit nur 4 Mitarbeitern.

Das ist beileibe kein schlechter Whisky. Er ist gut. Nur, würde ich ihn noch mal kaufen? Eher nicht. Da würde ich dann eher mal den Double Grain von Glendalough probieren als ersten Grain in der Sammlung. Hier ist das Preis-Leistungsverhältnis doch schwierig. Klar, es ist eine kleine Distille, die sind teurer. Aber es gibt Tage im Jahr (jetzt grade mal wieder nicht), da krieg ich für dasselbe Geld einen 16er Bushmills Single Malt, der sehr komplex ist und dem wenig komplexen hier meilenweit überlegen. Wenn es rein um die 10er Single Malts gibt, dann ist tatsächlich der 10er Bushmills Single Malt genauso gut, manchen wird er sogar besser schmecken (der ist flüssiges Karamell mit Vanille und Marzipan, nomnom), aber der kostet weniger als die Hälfte…

Wer gerne Iren mag und sammelt sollte mal probieren. Wem es einfach nur ums Whiskey trinken geht, dem kann ich eher sagen, für das Geld gibt’s andere interessantere.

Kurz-Review Glen Grant 20 Jahre Signatory-Abfüllung

Heute abend mal das erste Mal an einen Malt eines unabhängigen Abfüllers gewagt. Ein 20jähriger Glen Grant. Laut Label genau 20,5 Jahre ;). Nicht gefärbt. 43%.

Nase: Eiche, definitiv. Angenehm.  Karamell. Bißchen Vanille. Süss, aber leicht. Fruchtig von Beginn und wird mit jeder Nase immer fruchtiger.

Aroma: Würzig. Eiche. Geht runter wie Öl. Hat Power auf der Zunge, aber ist trotzdem sehr sehr smooth. Unglaublich lecker, immer noch sehr fruchtig. Leicht Kakao. Klasse. Super aromatisch.

Abgang: Mittel, auch dann eine gewisse florale Süsse.

Fazit: Für den Preis ein Knaller. Mal was sehr smoothes neben den sonst doch eher torfigen Islays, die die Hälfte fast meiner Sammlung ausmachen. Der ist so smooth, der ist schon fast ein Ire :D. Ich glaube, die Signatory-Range muss ich noch weiter erkunden. Großartiges Zeug.