Review Bruichladdich Port Charlotte Islay Barley 2008

Nachdem ich den Port Charlotte Scottish Barley bereits probiert habe, wollte ich auch mal den Islay Barley probieren. Der Unterschied ist, daß jedwedes Getreide für diesen Islay Whisky auch von Islay stammt, sogar die Farmen sind angegeben. Die Gemeinsamkeit ist, daß es sich bei den Port Charlottes, einer sogenannten „Lost Distillery“, also einer nicht mehr betriebenen Brennerei, von Bruichladdich um die Getorften handelt. „Moment“, werden einige sagen, „Islays sind doch immer getorft?“. Weit gefehlt, denn sowohl Bruichladdich als auch Bunnahabhain von der Hebrideninsel Islay sind eigentlich für ihre Torf-Rauchfreien Scotches bekannt.

Das „Heavily Peated“ ist allerdings für Freunde der anderen Islays wie Lagavulin, Laphroaig, Ardbeg und Co eher als „medium peated“ oder gar „lightly peated“ zu sehen („peated“=getorft, also das Malz wird über Torfrauch gedarrt, was den charakteristischen Geschmack einiger legendärer Islay-Scotches gibt, der zwischen Rauch, Schinken, Asche, Jod, Meersalz und Kräutern changieren kann, durch die sogenannten Phenole. Auch hier werden vielleicht einige Menschen einwenden „Moment, der hat doch 40ppm?“. Also auf jedes Millionste Teilchen kommen 40 Teile Rauch. „Das ist doch wie ein Laphroaig oder Lagavulin. Der müsste doch auch so intensiv sein?“. Das hat einen einfachen Grund: Bruichladdich misst die Rauch-ppm VOR dem Prozess in der Gerste, die anderen Islays im Endprodukt. Und über den Herstellungsprozess wird der Rauch natürlich weniger, vor allem über die Lagerung über Jahre. So bleiben am Ende vielleicht noch 20ppm übrig.

Der Bruichladdich Port Charlotte Islay Barley hat keine Altersangabe (sogenannter NAS-Whisky, Non Age Statement), aber ist ca. 7 Jahre alt wie allgemein bekannt ist und gerechnet werden kann. Normalerweise ist das sehr sehr jung für einen Whisky und bringt immer eine gewisse metallische „Räudigkeit“ mit, aber nicht so in diesem Fall. Er ist ungefärbt, nicht kühlgefiltert und mit 50% abgefüllt. Genauso wie es sein soll. Das Färben und Kühlfiltern ist eine Unsitte der Gleichmacherei der industriellen Großproduktion und sollte in einem Naturprodukt wie diesem nicht vorkommen. Leider machen es viele. Aber nicht Bruichladdich!

Gereift ist er in amerikanischen Ex-Bourbonfässern sowie europäischen Eichenfässern, leider bei letzteren keine genaue Beschreibung. Ich gehe aber nicht von einem Sherry-Finish aus, rein vom Geschmack her.

In der Nase ist er sehr angenehm. Der Rauch ist sehr dezent, dahinter kommt eine wunderbare malzige Süße. Gefolgt von etwas Orange und Mango. Also Früchten, die etwas dezenter sind. Kräuter, Gras. Dann wieder der Rauch, der aber nicht überdeckt, sondern schön mit den anderen Aromen spielt. Maritimer Geruch von Meersalz, wie eine Brise von der See. Immer wieder faszinierend, wie die Islays den Geruch ihrer Heimat transportieren können.

Auf der Zunge gesellen sich noch eine ordentliche Portion Karamell und etwas Vanille zu den Aromen, die bereits in der Nase waren. Das ganze Erlebnis ist sehr smooth, trotz (oder grade wegen?) der 50% Vol geht er runter wie Öl. Kein alkoholisches Stechen, kein unangenehmer Geschmack. Der Rauch ist vorhanden, manchmal sogar kurz vor einem Laphroaigigem „Asche“, aber dann wieder eher süss. Die Eiche schmeckt mensch ebenfalls, eine kleine Portion Würze. Dabei ist er doch noch recht jung. Von der metallischen Jugend ist hier wenig zu spüren. Beim Scottish Barley dieses Jahrgangs war mir das mehr aufgefallen. Ein wenig Minze kommt ebenfalls durch.

Der Abgang ist lang, trocken und würzig, aber mit der immer erlebbaren Malznote. Toll.

Fazit: Normalerweise bin ich kein Fan von NAS-Whiskies. Aber der Port Charlotte Islay Barley ist toll. Nicht gefärbt, nicht kühlgefiltert, mit der richtigen Volumenzahl abgefüllt, das ist schon mal Scotch wie Scotch sein soll. Nur lokale Inhaltsstoffe, regional bis zur Dose, super. Geschmack, Aroma, alles top. Ich finde ihn auch gezähmter und abgerundeter wie den Scottish Barley und würde daher mittlerweile den Islay Barley immer vorziehen. Der Unterschied kann aber auch den Jahrgängen geschuldet sein. Oder aber das Klima der Hebriden, zu denen Islay gehört, hat tatsächlich solch einen Einfluss auf den Geschmack der Gerste.

 

8.8

Nase

8.8 /10

Zunge

8.7 /10

Abgang

8.8 /10

Qualität

8.8 /10

Pros

  • nicht gefärbt
  • nicht kühlgefiltert
  • 50%Vol
  • Aroma fantastisch
  • Regional

Cons

  • Preis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.