Plymouth Gin – Pur, als Gin Tonic und im Dry Martini

Teil 1: Einleitung

Vor uns steht ein Plymouth Gin aus der Black Friars Destillerie in Plymouth. Plymouth ist die westlichste Stadt Englands streng genommen, denn auf der anderen Seite der Bucht und der Mündung des Tamar des militärisch und historisch bedeutsamen Hafens von Plymouth beginnt bereits Cornwall. Dies ist unzweifelhaft am Schild am Anlieger zu erkennen, wenn mensch mit der Fähre eben mal in die wunderschöne Parkanlage Mount Edgcumbe rüber fährt.

Die Parkanlage ist von der Grafschaft her „doppelt“, denn obwohl cornish, gehört sie wohl trotzdem zur Stadt Plymouth, die ja eigentlich Teil von Devon ist. Etwas kompliziert, aber hier verläuft die Grenze des Glaubensstreites, ob erst die Clotted Cream oder erst die Erdbeermarmelade auf die Scones kommt. Und diese Frage ist extremst wichtig und soll schon zu Schlägereien geführt haben.

Proper Scones, homemade strawberry jam und clotted cream.

Plymouth Gin ist eine geschützte Bezeichnung gewesen. Gewesen, denn es gibt mittlerweile nur noch die Black Friars Distille in Plymouth, die sich im Besitz des Getränkeriesen Pernod Ricard (u.a. Glenlivet, Jameson, Havana Club, Absolut, Beefeater Gin, Perrier, Mumm etc) befindet. Sie ist seit 225 Jahren existent und damit die älteste Gin-Distille des Vereinigten Königreichs.

Da Plymouth eines der Hauptzentren der Navy Ihrer jeweiligen Majestät ist war es Plymouth Gin, der als erster Gin um die Welt ging und so als einziger Gin in das Cocktail-Buch des Savoy zB einging. Für viele Barkeeper ist der Plymouth Gin DER prototypische Gin jenseits der London Dry-Schiene. Früher war es Standard der Royal Navy, daß jedes einzelne Schiff nach Stapellauf eine Holzkiste mit 2 Flaschen von diesem Gin (allerdings die ebenfalls erhältliche Fassstärke) und ein paar Gläsern geschenkt bekam.

Mit Getreide und Wasser aus dem Dartmoor, ebenfalls ein wunderbarer und wunderschöner Ort ganz in der Nähe von Plymouth,  wird hier ein ungehopftes Bier gebraut und dreifach gebrannt. Also wie beim irischen Whiskey bisher, der ebenfalls dreifach aus einem ungehopften Bier gebrannt wird. Aber beim Gin kommen die Botanicals ins Spiel. Und diese sind beim Plymouth Gin im Vergleich zu anderen Gins (zb dem Bruichladdich The Botanist) sehr überschaubar: die unvermeidliche Wacholderbeere (daher stammt der Name, siehe Artikel zum Bruichladdich zur Erklärung und Geschichte des Gin etc), Zitronenschale, Orangenschale, Schwertlilienwurzel , Angelikawurzel, Kardamonschoten und Koriandersamen. Diese werden mitdestilliert. Am Ende wird das Gesamtergebnis noch einmal destilliert und am Ende gefiltert.

Das Endprodukt dieses Vorgangs ist dann der Plymouth Gin. Mit 25 Euro für die normale Stärke mit 41,2% einer der günstigeren Mittelklasse-Gins.

Da ich in Sachen Gin/Genever recht jungfräulich bin war ich gespannt. Wie gesagt, Plymouth als Stadt ist mir nicht unbekannt und vor der Distille stand ich auch bereits schon. Daher war es logisch, den mal anzutesten. Plymouth hat übrigens den coolsten Eiswagen in dieser Galaxie:

Yours truly vor dem coolsten Eiswagen der Welt am Hafen von Plymouth

Teil 2: Disziplin 1: Pur

Nase: Süße Wacholder. Jo, isn Gin :D. Definitiv wacholderiger als der Bruichladdich The Botanist, der recht zahm in Sachen Wacholder ist oder aber dort die vielen anderen Botanicals den Wacholder überlagern. Zitrone, Orange, fruchtig. Bissl Grapefruit. Sehr angenehm. Kein stechender Alkohol (wobei das Trainigssache ist). Null aufdringlich. Toller Geruch. Kein Sprit.

Mund: Mandarine mit etwas Salz und Pfeffer und Kardamon? Abgefahren. Für einen Single Malt-Trinker wie mich sehr gut trinkbar. Dann kommt der Wacholder. Schmeckt definitiv echt gut, ohne fies zu werden, dabei sind die Botanicals definitiv kräftig. Trotzdem hat mensch nicht das Gefühl, ne Tanne zu lutschen wie bei billigen Gins.

Abgang: Schnell weg. Die Süße bleibt. Sehr smooth.

Fazit Pur: Tolles Zeug!

 
 

Teil 3: Disziplin 2: Gin Tonic

 
A proper Gin Tonic 😀

Ich hab zwar noch etwas Schweppes Dry Tonic und Thomas Henry da, aber für den Plymouth Gin wurde es ein Fentimans Traditional Tonic Water. Das englische Traditions-Tonic wird ebenfalls schon immer mit Botanicals hergestellt: Wacholderbeere, Kaffirlimettenblätter und Zitronengras. Perfekt. Wacholder trifft Wacholder mit Zitrus-Hilfstruppen. Supportet von Chinin, denn Gin Tonic ist das perfekte Mittel für die Malaria-Prophylaxe! No joke!

Trotz des recht sanften Mischverhältnis von 1:4,3 (6cl Gin auf 200ml Tonic) ergab sich hier der vielleicht süffigste, smootheste, süßeste aber trotzdem Gin-igste Gin Tonic, den ich bisher getrunken habe. Und obwohl ich in Sachen Gin pur nicht viel Erfahrung habe, in Sachen Gin Tonic sehr wohl ;). Schmeckt komplett unalkig und unsprittig, aber eben durch den Wacholder „krautig harzig“. Aber erfrischend lecker. Auch das Chinin geht ja schon selbst in die Richtung.

Großartige Kombi! Jetzt ist die Frage, ob er das mit nem billigen Tonic auch kann… Die Wahl des Tonics macht halt 50% des Geschmacks und der Qualität dieses Cocktail-Klassikers (auch Longdrings sind Cocktails) aus.

Btw, Rosmarin und Co sind zwar funky, aber eher Chichi. Keep it simple, stupid.

 
Fazit Gin Tonic: Großartig!

Teil 4: Disziplin 3: Dry Martini

Der Grindcore unter den Dry Martinis, da bleibt keine Leber trocken

(Remix teilweise aus dem The Botanist-Beitrag ;)) Für einen GUTEN Martini wird kein Martini genommen, da nehmen die meisten Barkeeper mindestens einen Noilly Prat, einen trockenen französischen Wermut-Wein. Seit 200 Jahren existiert diese Firma und sie war lange Zeit der größte Konkurrent zu Martini und durch ihre Vorreiterrolle im Export in die USA zB lange Zeit internationaler Marktführer noch vor Martini. Aber Ironie der Geschichte, vor 30 Jahren wurde Noilly Prat erst vom Martini-Konzern geschluckt und dieser dann wenige Jahre später von Bacardi. Die Geschäftsführung von Noilly Prat innerhalb des Bacardi-Konzerns ist aber immer noch in der Hand eines Ur-Ur-Ur-Ur-Enkels eines der beiden Gründer und somit immer noch familiengeführt. Er ist um einiges intensiver als zB ein Martini Dry, weshalb weniger Wermut in Cocktails oft reicht für einen Wermut-Geschmack.

Also haben wir mal schwupps 6cl Gin, 1cl Noilly Pratt, ein Fizzl Limettensaft zusammen mit Eis in den Shaker, lustig geschüttelt (nicht gerührt!) und dann ins Glas abgeseiht. Ohne Eis. Und eine Olive (aus Lake, nicht Öl!) durfte nicht fehlen.

Was ein trockener Kick in die Fresse… Muss mensch mögen. Ich mags. Harzig, krautig, die fruchtig-zitrushaften Noten des Plymouth Gin treten in den Hintergrund, Kardamon und Wacholder machen mit dem derb trockenen Wermut nen fröhlichen Moshpit auf. Definitiv ein hartes Kaliber und einer reicht echt vollkommen. Aber lecker. Mit dem Bruichladdich war es wild, ungestüm, Slayer. Aber mit dem Plymouth ist es härter, dreckiger. Irgendwo zwischen Gorgoroth und Napalm Death.

Fazit Dry Martini: Hart mit viel Power, aber grandios!
 

Teil 5: The Verdict 😀

Gesamtfazit: ein wunderbarer Gin, der vor allem mit dem Fentimans Tonic seine gesamte Stärke ausspielt. Da braucht kein Rosmarin oder anderer Bullshit rein, um einen der erfrischendsten Gin Tonics überhaupt zu ergeben. Aber auch pur ist er extrem lecker. Normalerweise trinke ich eigentlich nur Malts pur, aber hier zeigt auch Gin, daß es echt gut geht. Wobei ich bei Gin auch schon leckere Fassstärken pur hatte. Für 25 Euro ein absoluter Nobrainer. Das Leben ist einfach zu kurz, um billigen, beschissenen 6 Euro-Gin zu trinken. Das gleiche gilt natürlich erst recht für Malts. Der Plymouth ist toll, ziehe ich dem Botanist, der auch gut war, auf jeden Fall vor.
 
Btw hat mein G+-Kumpel Tomas diesen Gin vor 6 Jahren bereits in seinem Blog (Lese- und Subbefehl!) angetestet und kam zu anderen Ergebnissen. Aber nichts ist auch so subjektiv wie Geschmack (im wahrsten Sinne des Wortes) und Nase und Gaumen verändern sich vor allem mit dem Training. Wer seine damalige Einschätzung, damals noch im alten Design und ein ganzes Stück billiger (danke, Pernod…), lesen wil, der klicke mal auf diese unterstrichenen Lettern hier.

Plymouth Gin

25,00€
Plymouth Gin
9.4

Nase

9.5 /10

Zunge

9.5 /10

Abgang

8.8 /10

Qualität

9.5 /10

Preisleistung

9.5 /10

2 Gedanken zu „Plymouth Gin – Pur, als Gin Tonic und im Dry Martini

  1. „Der Grindcore unter den Dry Martinis, da bleibt keine Leber trocken.“ Da hast Du aber doch schon den zweiten getrunken, als die Metal Assoziation kam 😉

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