Huawei Mate 10 Pro Schlaufernsprecher – A new Generation

Disclaimer: Dies ist kein Review in dem Sinne, sondern nur der Ersteindruck nach 3 Tagen Huawei Mate 10 Pro. Und auch mal was, was NICHT mit Schnaps zu tun hat ;). Alles natürlich subjektiv und nur auf meine spezielle Anwendungssituation gemünzt. WORK IN PROGRESS! 

Epilog – Eine düstere Geschichte

LG G4-Gorillas im Risse-Nebel…

Morgens, Viertel vor Sechs, irgendwo auf einem Parkplatz vor irgendeinem Büro. Herr K., voller Elan am frühen Morgen (oder auch nicht) schwingt sich aus seinem Auto. Durch die unglaubliche Energie von Herrn K. fliegt sein trusty LG G4 im hohen Bogen aus der Jackentasche, mehrere Meter graziös durch die Luft, dreht dabei lustvoll Pirouetten und Salti und landet dann auf dem groben Waschbeton des Parkplatzes.

Das die Dunkelheit durchbrechende Splittern und Knirschen verheißt nichts gutes. Ein Blick und die dunkle Vorahnung wird Gewissheit. Das G4 hat, wie die Jugend heute sagt, ne Spider-App installiert. Das Gorilla-Glas ist mehrfach gerissen. Das Display da drunter scheint aber OK zu sein. Ein böses Deja Vu, denn das gleiche passierte 2 Jahre zuvor auch mit dem LG G2 des so schwungvollen Herrn K. Auf demselben Parkplatz. Zur selben Uhrzeit.

Smarton, der Gott der Schlaufernsprecher, forderte erneut ein Opfer in seiner Blut, äh, Gorilla-Glasgier und seiner Gnadenlosigkeit. Und er forderte von Herrn K., eine Entscheidung zu treffen.

 

Die Qual der Wahl

LG V30 oder Huawei Mate 10 Pro, das war hier die Frage.

Hmm,  sollte Herr K. einen Glas- und Rahmen-Austausch vornehmen? Ne, kein Bock. Sollte Herr K. nach einem neuen Handy schauen? Ja, Bock! Nur welches?  Nochmal LG? Ein G6? Hmm, sehr gutes Teil. Aber zum wiederholten Mal nur ein Update, wo bleibt da der Spaß, die Neuerung, das Frische im Leben? Ein V30? Oh ja, tempting. Zwar auch nur das Ultra-Upgrade, aber ein tolles Telefon. Da mein Vertrag auch eh passenderweise auslief, habe ich mal bei meinem Provider auf die Tränendrüse gedrückt. Also habe ich den alten Vertrag erst einmal pro forma fristgerecht gekündigt. Mein Provider, bzw der erste junge Mann aus dem Callcenter weinte dann schockiert „Buhuuuuu, nach so vielen Jahren? Wollen Sie nicht doch bleiben? Wollen Sie ein neues Telefon?“. Yes! Aber der junge Mann hatte wohl nicht mehr soviele Abschriften für Spezial-Deals die Woche im Budgen, denn zu dem Zeitpunkt waren da die Deals nicht so überzeugend. Ein V30 oder das alternativ in Frage kommende Huawei Mate 10 Pro (Samsung kann ich nicht so leiden) waren bei meiner ersten Akquise meinerseits doch recht teuer. Vergleichsangeboten meines Heim-Kabelinternet-Providers waren günstiger. Der junge Mann meinte nur entrüstet auf meine Anfrage „Ja, das Telefon kostet doch fast 700 Euro, verschenken können wir das nicht!“.  Daher habe ich erstmal abgelehnt und meine Kündigung bestätigt. Aber diese Mobilfunk-Schlepper sind ja hartnäckig. Es kamen dann „Bitte bleib bei uns!“-Mails, Nachrichten im Webportal und dann wieder ein Anruf. Diesmal eine junge Dame. Ich erklärte ihr, ich würde ja gerne bleiben, aber die Angebote sind nicht so der Knaller. Die junge Dame meinte dann nur „Ach, da kann ich was machen!“ und fragte erneut nach der gewünschten Hardware.

Das V30 war mir immer noch etwas zu teuer, aber mein ebenfalls favorisiertes Huawei Mate 10 Pro war mit zusätzlicher Rabattierung auf einmal schon ein Schnäpperken. Neupreis liegt komplett so bei 750 Tacken. Mit Vertrag, im Vergleich zu dem alten (die Konditionen vor 2 Jahren waren für einen 5 GByte AllFlat-LTE-Vertrag noch nicht so gut wie heute) Vertrag nur wenige Euro mehr. Soso, auf einmal ging es. Ich hab selbs ja lange im Fachhandel für Hard- und Software gearbeitet, bin immer noch ITler, und ich gehe mal davon aus, daß es für das Mate Pro mittlerweile eine Aktion gab, sodaß die einzelnen Call Center-Verticker gewissen Spielraum haben, bis eine gewisse Summe für Abschriften erreicht ist. Der neue Deal hatte sich doch durchaus spürbar in der Höhe der monatlichen Gebühren von dem gleichen Deal 2 Wochen vorher vom Kollegen unterschieden. Nach unten. Und die junge Dame hat mir noch für lau ein kleines Huawei Mediapad T7 beigepackt, welches eigentlich nur als Dreingabe für Neukunden gilt. OK, brauche ich nicht unbedingt, aber da das alte Nexus 7 kaputt ist und das Fire HD-Tablet eigentlich nur als Media-Player für die Teufel Raumfeld-Multiroom-Anlage benutzt wird (dafür musste erstmal das Amazon-Krüppel-Android befreit werden…) nehme ich es doch gerne. Kost ja nix!

Also her damit! Werden wir Mitglied der chinesischen Volksarmee! In Blau! Weil bunte Telefone rocken. Schon nach 2 Werktagen klingelte es an der Haustür. Aber niemand öffnete dem armen DHL-Mann. Weil nämlich normale Menschen arbeiten gehen, wenn der Postmann zweimal klingelt. Also hat Herr K. am nächsten Tag Abends nach der Arbeit den Schlaufernsprecher in der DHL-Filiale abgeholt, die nur 200m von unserem Haus entfernt ist. Ausgepackt. Bewundert. Edel edel. Die Rückseite ist aus Glas. Eigentlich ist bis auf den edel gefertigten Alurahmen alles aus Glas. Daher vorher noch ein dickes, stabiles Case gekauft, weil gebranntes Kind , Feuer und so ;). In der Packung liegt aber bereits ein transparenter Silikon-Bumper direkt dabei, was für weniger Paranoide wohl vollkommen ausreicht. Display-Schutzfolie ist ebenfalls bereits drauf. 

 

Ersteindruck

Angeschaltet. Gestaunt. Das OLED-Display des Mate 10 Pro hat zwar nur 1.080 x 2.160 Pixel im Gegensatz zu den QuadHD 2.560×1440 des LG G4, letzteres aber ein klassisches IPS, kein OLED. Die 6 Zoll Größe wirkt kaum größer wie die 5,5 Zoll des LG G4. Ein Phablet ist das noch nicht für mich, aber da ich seit Jahren diese 5,5″ Monster benutze und zB alle 5″er für Zwerge halte bin ich da verdorben. Der „kleine“ Eindruck hat aber auch einen Grund. Das Mate hat an den Seiten wirklich fast keinen Rand mehr, dabei war das LG für seine damalige Zeit 2015/16 schon sehr „bevel-frei“. Außerdem hat es einen anderen Seitenfaktor: 18 zu 9, was normalerweise 2 zu 1 wäre für nicht Marketing-Menschen :D, aber anscheinend glauben eben jene Marketing-Menschen, daß 18:9 viel cooler klänge als 2:1. Durch dieses Seitenverhältnis ist es (was für die Handhabung am wichtigsten ist) so breit ungefähr wie das 5,5er LG G4, aber von der Länge her nen ganzes Stück länger. Sehr schön.

Auch ohne Hülle liegt es smooth in der Hand. Vielleicht zu smooth? Glas halt. Aber dieses anschmiegsame Gefühl werden zumindest wir nicht erleben, denn wir wollen ja, daß das Telefon lange lebt. Also zumindest 2 Jahre ;). Auf der Rückseite lächeln uns die 2 Dual Leica-Kameras mit einer unglaublichen Blende von f1.6 an. Ein Monochrom-Sensor mit 20 Megapixel, einen Farb-Sensor mit 12. Intern werden dann Bilder mit bis zu 20 Megapixel zusammen gebaut. Aber da kommen wir nachher noch zu. Insgesamt flasht mich immer noch das OLED. Das ist schon eine andere Welt, was Brillianz und Farben angeht. Selbst wenn ein IPS drölfzig ppi mehr hat, es wirkt eben nicht so gut auf mich.

Der Fingerabdruck-Sensor liegt auf der Rückseite. Sehr schön. Die LGs, die ich vorher hatte (G2 und G4) hatten ja alle ihre Knöpfe auf der Rückseite, Back Button ist einfach eine geniale Sache. Und der Fingerabdruck-Sensor ersetzt diesen perfekt, da er an derselben Stelle ist. Keine Umgewöhnung :D. In nur 0,3 Sekunden ist das Telefon erwacht. Ein Button ist nicht fixer.

Nach dem Einschalten rödelt es natürlich erstmal, zieht Updates und dann war es auch bereit. Wenig Bloatware. Bis auf Huaweis Apps für die EMUI-Themes (der Launcher von Huawei, der gar nicht so schlecht ist) nur Booking.com (nutze ich eh oft) und Facebook (gleich deinstalliert, fick dich Zuckerberg, keine Chance der Hatemachine, braucht keine Sau, mögen deine Server zu Asche werden außer Instagram ;)) drauf sowie Amazon Video Prime, was ich aber eh nutze. Und ansonsten eigentlich recht clean. Ich bin überrascht. Positiv. Alles fühlt sich sehr schwuppig und fix und geölt an.

 

Die zwei Augen des Mates

In Kooperation mit Leica hat das Mate 10 Pro eine Dual Kamera. Einen Sensor mit 20 Megapixel Monochrom, einen Sensor mit 12 Megapixel RGB. Klingt komisch? Ist es eigentlich nicht. So funktioniert nämlich auch das menschliche Auge. Die Stäbchen sind monochrom, sorgen für Sicht bei widrigeren Umständen sowie Kontrast und Schärfe. Die Zapfen im Auge erledigen die anderen Informationen. Das Gehirn „rendert“ ein farbiges detailliertes Bild daraus.

Insgesamt macht die Kamera des Mates einen großartigen Eindruck. Die Dual Leica eh, aber auch die “Selfie” Cam vorne mit 8 Megapixeln. Die Software hat natürlich auch nen “Pro-Mode”, sprich manuellen Mode für ISO, Belichtungszeiten etc. Aber auch einige vorgefertigte Programme. HDR (nicht default an), Panoramen, Food, ach, massig. Der geneigte Leser möge sich ein paar Reviews nur zur Kamera anschauen, denn da gibts einige. Weil die Kamera eben so verdammt gut ist und auf hohem Niveau mitspielt. (Pseudo)RAW aka DNG macht sie natürlich auch. Dann ist natürlich die Rauschunterdrückung bei hohen ISO-Werten Essig, das ist dann Handarbeit in Lightroom oder Capture One oder eben am Telefon, zB in Snapseed. Aber das ist ja normal und soll so. Die im Mate enthaltene NPU (ein KI-Co-Prozessor) erkennt einige Motive und stellt dann die Progamme ein. Bin ich eigentlich kein Fan von, das funzt auch eher nur so wie zB die “Überlegene Automatik” meiner Sony DSLR. Brauch ich nicht. Für den Gelegenheitsknipser aber bestimmt ne geile Sache. Ich bin ein Manual Mode-Mensch und brauche ISO und Co. Gewohnheit. Ich fotografiere halt gerne, auch als Google Local Guide oder für Instagram. Daher war mir eine gute Kamera auch wichtig. Fotos, die ich mit dem Telefon gemacht habe, werde ich in einem Google Photo-Album hier nachreichen. Bei Schneeregen über die Tage dieses Reviews macht es keinen Sinn, viele Fotos zu machen. 

Der Sensor ist anscheinend ein 1/2,9″-Sensor. Die Brennweite der Optik liegt bei 27mm auf Kleinbild gerechnet, real bei 3,95mm. Daher lässt sich der Cropfaktor berechnen, der liegt dann bei ca. 6,8. Der Sensor hat eine unglaubliche Blende von f1.6. Das ist für einen Schlaufernsprecher unglaublich gut, wobei schon mein LG G4 f1.8 hatte und großartige Fotos macht (macht es übrigens immer noch), denn das hat LG ebenfalls drauf. Manche werden jetzt sagen, „Wow, f1.6! Das ist ja mehr wie meine 1.8er Festbrennweite oder gar mein teures 2.8er Zoom an der DSLR!“. Ich erwähnte den Crop-Faktor? 😉 f1.6 der Telefon-Optik umgerechnet auf eine Vollformat-DSLR der Oberliga entspricht eine Blende von 11. Auf zB meine Sony DSLR mit APS-C-Sensor entspricht das umgerechnet Blende 16. Aber natürlich ist das insgesamt noch echt gut und im Telefonbereich Oberklasse. Eine DSLR hat halt immer noch Vorteile. Großer Sensor, mehr Licht, logisch. Um zum Beispiel die f1.8 meiner Festbrennweiten meiner DSLR mit diesem Telefon zu erreichen (die streng genommen da APS-C ja f2.7 auf einem Vollformat-Kleinbildsensor wären) müsste die Optik eine reale Blende von f0.4 erreichen! Und das ist momentan utopisch. Aber ich wette, daß wir in fünf Jahren mindestens bei f1.0 angelangt sind bei Smartphone-Sensoren. Definitiv.

Die Kamera-Software im manuellen „Pro“-Modus
Die verschiedenen Auto-Programme der Kamera-Software

Natürlich hat die Kamera auch softwareseitig die Features, die momentan bei Top-Smartphones angesagt sind. Bokeh (Hintergrundunschärfe), Portraitmodi etc. Bokeh wird entweder per Software unterstüzt oder aber kommt natürlich bei f1.6. Wer mit dem Begriff gar nichts anfangen kann, Bokeh ist der Effekt, den besonders Spiegelreflex-Optiken drauf haben, daß das Motiv scharf im Vordergrund herausgestellt ist und der Hintergrund hübsch unscharf wird und Lichter hübsche Flecken/Sterne bilden etc. Im Fotobereich gibt es bei Reviews von Objektiven, die das sehr gut können (hat mit der Konstruktion und Anzahl der Blendenlamellen und mehr zu tun zB) sogar den Begriff „Bokeh-Porn“ für besonders schönes Bokeh. Funktioniert alles sehr gut, wobei die Portraitmodi Haut arg glattbügeln. Das geht beeindruckend schnell und solide, unter Photoshop braucht es dafür noch PlugIns wie Portrait Pro und andere. Und mehr Handarbeit. Das ganze in fast Echtzeit ist auf modernen Telefonen schon ein Zeichen für solide Software-Entwicklung. Was wohl möglich wäre, wenn EBV-Software bzw deren PlugIns moderne Grafikkarten und ihre OpenCL-Beschleunigung ordentlich ausnützen würden…

Im übrigen hat die Kamera auch einen verlustfreien 2x Zoom. Ohne Optik? Wie das geht? Natürlich nur wenn auf 12 Megapixel eingestellt. Das ist die Anzahl der Megapixel auf dem RGB-Sensor. Der Monochrom-Sensor hat wie gesagt 20. Der sorgt für Details, Tiefe, Schärfe. Und da bleibt ja was übrig. Wenn also die 20 Megapixel des Monochrom-Sensors benutzt werden, das ganze halb gecroppt wird, was ja einen Zoom darstellt und die Farb-Infos des 12er draufkommen, dann ist ein fast verlustfreier 2x Digitalzoom möglich. Getrickst, aber funktioniert. Ich persönlich aber fotografiere bisher mit 20 Megapixel. Croppen kann ich auch nachher noch. Für richtige Fotos mit Zoom hab ich ne DSLR und dank APS-C-Crop 300mm und 450mm.

Video? Geschenkt. Mach ich selten. Hier zeigt die tolle Cam aber auch Schwächen. In 4k gibts keine Bildstabilisierung mehr. WTF? Das ist wohl nur Software-Sache, denn der Sensor hat es ja eingebaut. Huawei sollte die Videofunktion unbedingt nachpatchen. Aber, op plattdütsk, brouk wey net.

Zur Kamera sei der sehr detaillierte Test von DXO empfohlen. DXO sind primär bekannt für professionelleFotosoftware wie den RAW-Entwickler DXO Photo Lab (früher Optics) sowie die Übernahme der Photoshop-PlugIns Nikk Tools von Google. Unter der Seite DXOmark werden hier Kameras jedweder Art professionell seziert. Für das Huawei Mate 10 Pro siehe https://www.dxomark.com/huawei-mate-10-pro-oustanding-still-image-performance/ . Das M10Pro ist hier zusammen mit dem IFön X auf dem 2. Platz mit 97 Punkten, nur einen Punkt vor dem Spitzenreiter Google Pixel 2 mit 98 Punkten.

 

Die Leistung

Die ersten Ergebnisse des neuen Antutu V7-Benchmarks

Das Ding hat ACHT Kerne! Mittlerweile ist das wirklich erstaunlich. Wenn ich da schaue, daß mein auch schon etwas betagter Rechner daheim mit seinem Xeon-Prozessor 4 Kerne mit HT, also insgesamt 8 logische Prozessoren hat, aber ein riesiger Trümmer ist… 4 Cortex A73 mit 2,36 GHz plus 4 Cortex A53 mit 1,8 GHz, zusammen mit einem Co-Prozessor für neuronale Berechnungen. Das ganze mit einer Mali G72-MP12 GPU gekoppelt. Nicht schlecht. Kann auf jeden Fall in der oberen Liga mitspielen. Und immer bedenken: der Schlaufernsprecher hier kostet nur etwas über 700 Tacken, nicht 1000 oder gar 1300 wie andere Top-Föne. Und das ganze wird gepuffert von 6 GByte RAM. Viele haben in ihrem Desktop kaum mehr.

Also mal den Antutu angeworfen. Leider gibts noch keine Liste für den 7er zum Vergleichen, aber beim ersten Test erreicht das Gerät trotz Energiemanagement-Optionen 209.xxx Punkte. Im 6er Antutu erreicht es 177341 Punkte. Zum Vergleich, ein LG V30 macht hier 173749 Punkte, ein Galaxy Note 8 173997 Punkte, ein HTC U11 175032 Punkte. Das OnePlus 5 liegt mit 177156 nur ultraknapp hinter dem Mate 10 Pro. Noch irgendwelche Fragen?

Die GPU alleine liegt zB im 3DMark allerdings etwas zurück im Vergleich zu einem U11, aber ist immer noch 10% schneller als ein Galaxy Note 8. Bei der reinen Physiksimulation wiederum überflügelt es sogar das U11, sodaß das Gesamtbild wieder ausgewogen ist. Sprich, die GPU des Mate 10 Pro ist pfeilschnell, in einigen Disziplinen aber gibt es schnellere. Trotzdem spielt es in der Topliga mit.

Auch der Blick über den Tellerrand der Androiden ist interessant. Ein iPhone 8 Plus oder gar ein iPhone X ist teilweise schlechter ausgestattet, aber doch in manchen, nicht allen Benchmarks etwas fixer und die Video-Funktion ist besser. Aber hier werden 400 bis 600 Euro MEHR fällig! Und das ist wieder geisteskrank. Aber das gehört bei der Cuppertino-Sekte ja dazu…

 

Die Anschlüsse

“Mimimi, das hat ja keine kleine Klinke mehr” weinen sie allesamt. Ja, aber es liegt ein Adapter von USB Typ C auf Klinke dabei, liebe Leute. Dafür ist es wasserdicht. „Ich will aber mein Telefon als Zuspieler an meine teure Anlage mit teuren Boxen anschließen“. Ah ja… Audiophiles Erlebnis mit nem ollen analogen Klinke auf Cinch-Kabel oder was? Sicher, sicher… 

Und es hat Bluetooth. Das wurde bereits ausgiebig getestet im Auto (Ford Sync) und lief ohne Probleme und ohne einen Abbruch. Die ersten Modelle vom Herbst mit alter Software waren da wohl etwas anfälliger. Auch das Inhome-Streaming auf unser WLAN-Multiroom-Soundsystem (mehrere verschiedene Teufel-Raumfeld-Systeme auf vier Räume verteilt) funktionierte bestens. BT5 hat es nicht, aber da gibts ja nicht mal Endgeräte für (vielleicht doch mittlerweile, aber selten). BT4.2 reicht vollkommen. Im übrigen kann via Typ C auf HDMI-Adapter das Telefon auch am Fernseher oder Monitor angeschlossen werden und bietet eine Art “Desktop Mode” wie bei Samsung. Da kann dann Maus und Tastatur via Bluetooth ans Telefon gekoppelt werden und jeder kann sich an nem Schmalspur-Desktop-PC erfreuen. OK, nette Idee. Für mich aber uninteressant.

Ach ja, das Telefon hat DUAL SIM. Eines der wenigen Telefone, welches auf beiden SIMs LTE kann. Aber brauche ich nicht. Für viele Leute, die ihre Business-SIM gleichzeitig im Telefon haben, aber wichtig. Dafür ist dann der MicroSD-Slot weggefallen. Aber bei 128 Gbyte braucht den ebenfalls keine Sau. Meine Fotos wandern eh direkt immer in die Google Cloud.

 

Der Akku

Akkuverbrauch nach über 24 Stunden

Natürlich ist dieser leider fest verlötet. Muss mensch sich mit abfinden mittlerweile. Hier spielt allerdings auch die Wasserdichtigkeit des Gerätes mit rein. Wäre es leicht zu öffnen, wäre es nicht wasserdicht. Aber mit unglaublichen 4000mAh bietet der Akku eine erstaunlich hohe Kapazität, ein wahnsinniger Wert angesichts der „Flachheit“ des Gerätes. Und Dank des OLEDs ist das „Wahwäh“, wie es korrekt ausgesprochen wird, laut der Fachpresse momentan das Telefon mit dem längsten Atem, welches auch mal länger als 24 Stunden durchhält. Noch scheint es durchaus zu klappen. Es gibt auch mehrere Stromsparmodi, welche die Zeit auf bis zu 3 Tage hinauf schrauben. Nach dem ersten Tag waren es nach 14 Stunden, dabei 2 Stunden Bluetooth und GPS im Auto, Always On-Display, ständiger Gebrauch zwischendurch, noch 49%. Nach weiteren 2 Stunden intensiven Gebrauchs (Surfen, Videos etc) noch 36%. Nicht schlecht.

Dann habe ich die automatische Abschalt- und Anschalt-Timerfunktion ausprobiert. Von 23 Uhr bis 5 Uhr war das Handy automatisch herunter gefahren. Ja, das geht. Funky. Und funktioniert. Und um kurz nach Fünf klingelte der Wecker. Natürlich immer noch bei 36%. Nach weiteren 3,5 Stunden, dabei wieder 45 Minuten Autofahrt mit GPS und Bluetooth-Audio, zeigte der Akkustand immer noch 31%. Der Akku hält also locker über einen Tag, mit Tricks noch länger. Nach einem Tag und 6 Stunden gibt er noch 18% an, angeblich 7 Stunden bei gleicher Nutzung. Ich bin beeindruckt. Bei 10% hab ich es dann mal an den Strom gehängt und dank Quickcharge war es nach 1 1/2 Stunden wieder proppevoll.

Update nach einer Woche Nutzung: Mit Nutzung der „Schlaffunktion“ bringt mich der Akku über fast 2 Tage. Mit Videos, Bluetooth, Streaming, Rumgesurfe etc. Wenn ich an Tag 1 morgens um 5 Uhr vom Stecker ziehe, habe ich Abends an Tag 2 noch genug Reserven, sodaß ich erst an diesem Abend nachts an das Ladegerät muss. Großartig!

 

 

Die Software

EMUI Startbildschirm, protected by Merlina 😉

Auf dem Mate 10 Pro läuft natürlich Android 8. Also aktuell. Da drüber stülpt der Hersteller dann Huaweis eigenen EMUI-Launcher in der Version 8. Die letzten Jahre bin ich ja bei den alten Telefonen sowohl auf Stock LG-ROMs gewesen sowie auf Custom ROMs, welche aber auch auf dem LG-Launcher UX und Stock ROM beruhten (Cloudy und Co). Daneben auch auf Cyanogen/Lineage sowie Google nackig Vanilla auf Nexus-Geräten. Und EMUI ist nicht hässlicher. Koreaner mögen es halt noch bunter, EMUI ist da etwas konservativer. Allerdings muss der App-Drawer (ohne geht gar nicht) in den Einstellungen erst aktiviert werden. Genauso wie das Allways On-Display, welches sich Software-seitig unter dem Punkt „Sicherheit und Datenschutz“ versteckt. Aber ist alles einstellbar. Wenig Bloatware, aber das hatte ich ja bereits erwähnt. Updates werden für mindestens 2 Jahre in Aussicht gestellt und auch Android 9 P (welche Süßigkeit das wird erfahren wir im Sommer, Peppermint, Pie, was auch immer) wird kommen. Aber das dauert ja alles noch. Das LG G4 zB ist in Deutschland auf ewig auf Android 6 festgefahren. Android 7 gabs nur im Ausland für das G4. Deutsche Kunden werden anscheinend öfter mal stiefmütterlich behandelt. Danke Merkel! 😉

Witzige Features wie die Knuckle-Codes versüßen die Bedienung. Das Telefon unterscheidet Eingaben via Finger und via Fingerknöchel. So löst ein Tippen mit dem Fingerknöchel Screenshots aus. Funky. Aber es gibt noch viel mehr Knuckle-Codes. Auch weitere Funktionen, die aber mittlerweile Standard sind, wie Annahme und Ablehnung von Telefonaten und andere Dinge via Bewegung des Telefons dank Gyrosensor, funktionieren. Huawei hat auch einen eigenen Sprach-Assistenten, der parallel zu Tante Googles „OK Google“ aufgerufen werden kann, aber ich hab noch nicht mit Amy, wie sie heißt, gesprochen. Sprachinterfaces find ich einfach nicht so toll, geht mir auch bei Alexa & Co nicht anders. Soll aber sehr gut klappen.

Alternative

Klar, ein Honor 10 ist die günstigere Alternative. Der kleine Bruder hat für etwas mehr als die Hälfte des Preises viele Features, aber eben nicht alle, des großen Bruders. Und das wichtigste war mir eigentlich die Cam für gute Fotos sowie der Akku.

Erfahrungen & Fazit

Das ganze Telefon ist schnell. Die Kamera ist schnell. Klasse Bilder. Das OLED gefällt mir. Alles in allem ein großartiger Schlaufernsprecher. Noch die Videofunktion verbessern (auch wenn ich sie wie gesagt nicht brauche) und schon wäre ich wunschlos glücklich. Der Akku ist auch nicht übel. Wobei ich in dem G4 einen 7500mah-Akku drin hatte (das ging da ja noch mit dem auswechselbaren Akku), das hielt ewig. Weitere Erfahrungen wird allerdings erst die Zeit bringen, ich werde hier Updates dann einschieben, falls sich irgendetwas gravierend ändert. Nach wenigen Tagen bin ich immer noch begeistert.

 

 

Die technischen Daten in allen Details findet ihr auf der zugehörigen Huawei-Produktseite. <= ditte isn Link, Keule 😉

Huawei Mate 10 Pro

Huawei Mate 10 Pro
9.3

Display

9.0 /10

Kamera

9.5 /10

Leistung

9.5 /10

Features

9.5 /10

Qualität

9.0 /10

Pros

  • Dual Leica Kamera
  • Design
  • Akku
  • OLED
  • Leistung

Cons

  • Video-Qualität
  • Nur HD+

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