Archiv der Kategorie: Ale & Co (Biere)

Review Braugarten Pale Ale No1

Manche Dinge kann mensch für Geld nicht kaufen. So auch das Braugarten Pale Ale No1. Egal wie viele Milliarden Rubel im Koffer liegen. Das ist auch bei diesem Ale der Fall. Denn Braugarten ist das ursprüngliche Hobby-Projekt einiger Enthusiasten aus Osnabrück, die ihre Faszination für hochwertige Spirituosen und Biere in die Kreation eigener, handgemachter Biere gewandelt haben. Tomas,  Jan und Konsorten hatten vorher im, thematisch mit diesem Blog hier recht identischen, Blog Blong Drink über primär Whisky, Bier jedweder Art und andere geistreiche Getränke geschrieben. Das machen sie sogar schon relativ lang, seit sieben Jahren immer mal wieder. Tomas, den ich auch via Google Plus schon länger kenne, dazu im BBD:

„Irgendwann Anfang 2015 lagen Plattfuss und ich also bei unseren Getränken und beschlossen, wir müssten nun endlich mal vom Schreiben zur Tat übergehen – und anfangen Bier zu brauen.“ 

Also haben sich die Freunde zusammen gefunden und einfach angefangen, „Homebrew“ im wahrsten Sinne des Wortes zu brauen. In einem Schrebergarten. Daher: Braugarten. Private Microbreweries (funky Buzzword :D) dürfen nach deutschem Recht 200l brauen für sich und brauchen auch so nen Bullshit wie das bajuwarische Alpenkatholiban-Reinheitsgebot nicht so sklavisch beachten. Bier brauen wollten ein Kumpel und ich auch schon dutzende Male anfangen, und es gibt einige Sets, aber es ist bisher nie was geworden. Ein sehr guter Freund, Gerrit, hat in Vergangenheit öfter mal versucht, Bier zu brauen, und das hat sogar so gut geklappt, daß ich ihm mal die Reste seines selbst gebrauten Porters aus dem Kühlschrank trinken MUSSTE. Sprich, Gerrits Versuch war ebenfalls sehr erfolgreich. Sicher sind Homebrews immer etwas anders als „Industriebier“, aber eben das macht die Faszination aus. 

Braugarten Pale Ale No1 frisch ausgepackt
Braugarten Pale Ale No1 frisch ausgepackt

Die Braugarten-Crew, bestehend aus Ben, Jan, Tobi und Tom, fing also an zu experimentieren, die gesamte Geschichte lässt sich hier und hier nachlesen. Im letzten Sommer kam ein Altbayrisch Dunkel, zu Weihnachten ein Weihnachtsbier und Ende Mai ein Pale Ale, das Braugarten Pale Ale No1. Ale! Ja, da wurde der Frank hellhörig, denn wie mensch hier auf dem Blog lesen kann sind Ales aller Art genau mein Ding. Also flugs mal Tomas angeschnorrt, ob denn da noch ein Fläschchen für ein Review vorhanden wäre. Jan war dann so nett, mir ein Paket mit einer Flasche des Braugarten Pale Ale No1 zukommen zu lassen. Innerhalb von kürzester Zeit kam das Bier sicherstens verpackt an und ich musste es sofort aufreißen und bewundern.

Eine schöne braune 0,33l Glasflasche kam zum Vorschein. Mit einem netten Etikett. Find ich sogar ganz ansprechend, denn grade was Etiketten angeht sind viele Kleinbrauereien, die gute Biere machen, katastrophal. Beispiel ist unsere Lahnsteiner Brauerei, die top Biere macht und deren Chef und Brauer auf einem anerkannten Top Level brauen, deren Etiketten aber meistens aussehen, als ob sie in den 70ern auf Acid im Waldorf-Kindergarten entworfen wurden… Da zB die Craftbiere der Lahnsteiner teuer sind, denn Qualität hat ihren Preis, finde ich es oft unglücklich, wenn das Design der Etiketten so altbacken aussieht.

Und deswegen finde ich das Etikett des Braugarten Pale Ale No1 sehr gut. Denn das ist ja Craftbier von Enthusiasten in kleinster Auflage. Super-Micro-Brewery quasi :D.  Einfach, aber nicht hässlich. 

Kommen wir zu den inneren Werten des Braugarten Pale Ale No1. Es ist, wie der Name bereits sagt, ein Pale Ale. Pale Ales sind normalerweise recht helle Ales, aber es gibt sie auch in Dunkel. Ein obergäriges Bier, meist bei 15°C-20°C gebraut. In Großbritannien ist das Pale Ale seit über 300 Jahren ein typischer Vertreter der Ales. Nach dem Wechsel von Holzfeuer zu Koksfeuer beim darren des Malzes wurde das Ale heller, das Pale Ale war geboren. Pale Ales mit höherem Alkohol-Anteil nennen sich IPA, Indian Pale Ale, da der höhere Alkoholanteil die Biere für den langen Transport nach Indien haltbarer machen sollte. Bei IPAs war eigentlich geplant, daß diese dann am Ursprungsort, eben zum Beispiel in den indischen Kolonien, mit Trinkwasser wieder auf die Stärke von normalem Pale Ale runter gepanscht werden sollten. Aber das hat nicht so ganz geklappt, denn IPAs genießt mensch am besten mit eben mehr Dampf :D. Das Pale Ale verbreitete sich auch in anderen Ländern und sorgte für die Entstehung weiterer Pale Ale-Varietäten, wie zum Beispiel dem französischen Biére de garde oder aber den belgischen Pale Ales, welche eine eigene Tradition und Sortenvielfalt entwickelte. Das Braugarten Pale Ale No.1 hat 5,6% Alkohol. Ein guter Wert für ein Pale Ale. Ich persönlich finde, daß beim Ale mehr immer geht, solange es unter Bock-Niveau bleibt. Bei IPAs eh, da gehört es zur Definition, bei „smootheren“ Pale Ales aber auch.

Die verwendeten Hopfensorten sind Nordbrauer und East Kent Goldings. Ersteres ist wohl der Hallertauer Bazi-Hopfen, der oft verwendet wird, der East Kent ist ein bei Bieren von der Insel häufig verwendeter klassischer Ale-Hopfen. Als Malz kamen Wiener Malz, Münchner Malz, Caramalz und Farbmalz zum Einsatz. Das Quellwasser kam aus Brandenburg, warum auch immer, und es wurde ein wenig Zucker zugesetzt. Was ich persönlich nicht schlecht finde, ich bin persönlich auch durchaus ein Fan des Newcastle Brown Ale, aber da kommen wir noch nachher zu. Als Hefe kam Safale S-04 zum Einsatz, eine ebenfalls für englische Ales sehr beliebte Hefe-Sorte, welche ursprünglich auch aus England stammt. Keep it real, keep it traditional.

Für das Braugarten Pale Ale No1 habe ich mir einen guten Zeitpunkt ausgewählt. Ich wollte es nicht einfach Abends nebenher einfach trinken, ein gutes Bier für einen guten Moment ist da besser. Daher wartete es noch eine Zeit lang im Kühlschrank, sodaß es auch auf angenehme 8°C runter gekühlt wurde. Nach einer Einladung durch meine Schwieger-Eltern zum Grillen dachte ich, das wäre doch mal das richtige Ambiente, um das Ale zu testen. Denn nichts passt so gut zu einem guten BBQ wie ein gutes Pale Ale. Also schön vor dem Genuss der Steaks (nicht daß diese den Geschmack verfälschen) eingeschenkt. Eine sehr feste Krone kam zu meiner Überraschung ins Glas. Siehe Bild. Fest und schon recht lecker. Die Farbe des Ales war recht dunkel. Farbmalz und Zucker halt. Das weckte durchaus Vorfreude, denn meine liebsten Ales sind recht dunkel (zum Beispiel das großartige Black Sheep Riggwelter Dark Yorkshire Ale).

In der Nase definitiv malzig süß, aber frisch, gar nicht schwer, nicht zu süß. Subtiler Hopfen, der etwas fruchtig ist. Das müsste der East Kent Goldings sein. Angenehm. Nicht direkt Zitrus, aber irgend etwas anderes frisches fruchtiges obstiges. Unterschwellig, nicht dominant, kein Hopfen-Amoklauf wie oft bei Craft-Ales. Im Mund sehr erfrischend, angenehm.  Sehr sehr subtil, sehr bekömlich. Erst ein Gefühl eines Bastards zwischen Alt und Pils, aber dann doch anders. Denn es kommt eine Art „Cola“-Geschmack (Weingummi-Colafläschchen? Mezzo-Mix? Nicht genau Cola, da ist ne Orange-Komponente oder so dabei) dazu. Und nein, das heißt nichts schlechtes. Das von mir hochgeschätzte Newcastle Brown Ale hat haargenau diese „braune Limo“-Komponente in meinem subjektiven Geschmacksempfinden, ist aber aufgrund der recht laschen Volumenprozente (ja, ich bin da verdorben in der Hinsicht, alles unter 5% ist Light-Bier) eher wässriger.  Das Pale Ale No1 aber hat wieder etwas mehr Dampf. Obwohl es in Sachen Erfrischung trotzdem seine Sache super gut macht. Dann kommt irgendwann der Hallertauer Hopfen und übernimmt das leicht fruchtige Terrain des wohl vom East Kent stammenden Ale-typischen Geschmacks. Aber auch nicht unangenehm, was ich aber begrüße, da ich mit manchen deutschen Hopfensorten auf dem Kriegsfuss stehe. Der Abgang ist kurz, der Hopfen und damit die Säure im Abgang recht schnell weg. Es bleibt ein Gefühl der herben Frische. Und grade im Abgang ist es schwierig, den Hopfen so hinzukriegen, daß er erfrischt und nicht nach abgestandener Galle und Erbrochenem schmeckt wie zB in gewissen Pilsenern aus Byteburg… 😉 Ja, wie bereits gesagt, ich bin da empfindlich. Ich liebe stark gehopfte Ales, vor allem jene mit leichten Fruchtnoten, aber manche Industriebiere, vor allem dieses eklige Bit, da krieg ich das Kotzen, denn solcher Hopfen sorgt bei mir persönlich für ein extrem ungutes Gefühl. Hier ist alles perfekt und lecker. 

Fazit: Ein wunderbar gelungenes Experiment. Hier haben Hobbyisten gezeigt, daß sie mit viel Liebe und Herzblut ein Bier brauen können, welches auch Ale-Freaks wie mich überzeugen kann. Vor allem als erfrischendes Bier beim Grillen macht es sich perfekt. Eine Art besseres Newcastle Brown Ale, weil der „Frucht und Cola“-Charakter imho vorhanden ist, aber eben nicht so wässrig. Das hier ist auch ein Bier, von dem mehr wie eins (oder zwei oder drei) getrunken werden kann. Viel Craftbiere, aber auch viele IPAs oder Porters oder exotische Stouts, sind ja dermaßen komplex und heftig, daß es dort nur wirklich Spaß macht, wenn mensch bei einer Flasche davon bleibt. Nicht so hier, das wäre perfektes Bier für eine Party. Eben weil es so gut runter geht, erfrischt und einfach süffig ist. Es war mir eine wahre Ehre, hier ein Bier probieren zu dürfen, welches gar nicht zu kaufen ist. Exklusiver geht es nicht. Vielen Dank dafür. Und, wenn ich es richtig verstanden habe, wollen die Jungs auch einen Schritt weiter gehen und die Hobby-Produktion in Richtung echter Micro Brewery ausbauen, sodaß ich vielleicht irgendwann einfach einen 6er von diesem großartigen kleinen Ale auf braugarten.com bestellen kann.  Und als Aussicht auf kommende Experimente der Jungs auch sehr schön. Den Nordbrauer Hallertauer Hopfen vielleicht einfach mit Mandarina Bavaria-Hopfen austauschen, den East Kent aber drin lassen, 2-3% mehr Alkohol und das ganze wäre schon ein echt gutes Dark IPA :D. Aber auch so schon super.

 
 

 

Kurz-Review Hopfenstopfer Incredible Pale Ale von Häffner Bräu

Eigentlich wollte ich doch ein wenig mehr schreiben zu diesem IPA. Aber, lest selbst warum es sich in meinen Augen, Nase und Gaumen einfach nicht lohnt…

Nase: Süß, nur wenig fruchtig für ein IPA. Hmmm…. Mandarine, Pfirsich nur sehr dezent. Aber dafür die Süße eines Bockbieres? WTF?

Mund: Süß. Malzig. Die 6,1% schmeckbar. Was ja bei einem IPA eigentlich nicht sein sollte. Im Nachgeschmack erst etwas mandarinig. Nicht so schlecht, aber viel zu “bockbierig”. Die fruchtigen Hopfensorten versuchen immer wieder, nach vorne zu kommen, aber sie schaffen es am für die IPA-durchschnittlichen 6,1% nicht vorbei. Schade. Es gibt Killer-IPAs, die 9% haben und NULL nach strange gehopftem Bockbier schmecken, dieser latente Port-Geschmack. Das klappt hier gar nicht. Fruchtiges Elephanten-Starkbier? Irgendwie. Aber nicht so trinkbar, weil die Hopfigkeit nicht geil ist. Neben der Süße eine böse Erinnerung an das schlechteste Bier der Welt…

Abgang: Bitter. Hopfig. Erinnert fast an das Bier, welches ich am meisten verabscheue: Bitburger. Die schrecklichste  bittere Plörre in dieser Galaxie. Vielleicht auch aller Multiversen. Nur die leichte Fruchtnote macht es noch relativ erträglich. Die ist aber für ein IPA ja fast schon  homöopathisch (also nicht wissenschaftlich nachweisbar). 

Fazit: Ne, dat is nix für mich. Geschmäcker sind verschieden, aber wer den Inhalt dieser Flasche mag, der trinkt auch Bitburger. Das erste Bierreview seit langem, nein, überhaupt, welches mir keinen Spaß macht. Da erspare ich mir auch jedwede weiteren Worte zu Brauerei und Co wie sonst gerne mal. Wie dieses IPA bei ratebeer auf die Rezis und Punkte kommt ist mir unverständlich. Und ich bilde mir ein, grade bei den verschiedensten Ales einen guten und ausgeprägten und vielseitigen Gaumen und Nase zu haben. Vielleicht hab ich auch nur nen miesen Batch erwischt… 

 

Nachtrag: Nachdem mir Freunde sagten, daß sie dieses Bier ganz anders erlebten und diese sonst einen ähnlichen Geschmack haben, habe ich die Flasche kontrolliert. Sie war noch haltbar. Aus Gründen der Fairness aber habe ich mir noch eine Flasche gekauft und werde dieses Bier erneut testen. Vielleicht war es wirklich nur eine schlechte Flasche.

Update zum Nachtrag: Auch die zweite Flasche fand ich persönlich nicht gut. Anscheinend ist das hier einfach nicht mein Bier. Wir werden keine Freunde. Allerdings gibt es Leute, die auf sowas stehen. Geschmäcker sind verschieden, und auch wenn das hier ein handwerklich ordentlich gemachtes Bier ist, die Hopfung ist in meiner persönlichen Geschmacksempfindung eben mehr als „meh“..

Kurz-Review Baltic Stout Rügener Inselbrauerei

Den meisten Menschen mit offenen Augen und Hang zu außergewöhnlichen Bieren sind die im Einzelhandel gut platzierten Biere der Rügener Inselbrauerei bestimmt schon aufgefallen. In ansprechenden, in Papier gehüllten Flaschen, das ganze dann in schicken Holzkisten, erhältlich in 0,33l und 0,75l. Der Werbeslogan „Expedition ins Bierreich“ ist ebenfalls ansprechend, ich finde ihn irre witzig :D. Im Hopfenhelden-Craftbeer-Onlinemagazin findet sich ein gutes Portrait der Brauerei, daher brauche ich da wenig zu schreiben. Nur soviel, das Mastermind der Rügener Inselbrauerei ist Markus Berberich, der schon als Braumeister der Stralsunder Brauerei „nebenan“ mit den Störtebeker-Bieren eine Nische hochwertiger, interessanter und guter Biere besetzt hat und diese Brauerei aus der Krise führte. Sein neues, eigenes Projekt Rügener Inselbrauerei hat auf den letzten World Beer Awards brutalst Preise abgeräumt. Läuft :D.

Stout kennen die meisten Menschen eher als Guinness oder Murphys oder vielleicht auch mal ein Samuel Adams oder Youngs. Eher aber die erstgenannten beiden, denn Stouts sind die wohl bekanntesten Vertreter irischer Biertradition. Streng genommen müssten diese Biere „Stout Porter“ heißen, starke Porter. Porter haben ihren Namen von den „Porters“, den Lastenträgern in den Häfen der Britischen Inseln. Aber da kommen wir nachher noch einmal zu.

Das „Baltic Stout“ (denn sowohl Porter als auch Stouts, vor allem Imperial Stouts, waren im Ostsee-Bereich (Baltic Sea) immer sehr angesagt seit Jahrhunderten) hat eine ansprechende Präsentation. Sehr schöne Flasche. Im Glas ist es tiefschwarz. Die Krone ist cremig, wenn auch nicht so cremig wie zB einem irischen Standard-Stout.

Der Geruch ist recht frisch. Frischer wie ein Insel-Stout. Der Hopfen, der sonst sehr mild und gegen die dominante Malz-Note bei Stouts kaum durchkommt, ist hier präsent. Fast schon „ale-ig“. Die Malz-Note ist auch etwas anders. Es riecht auch würziger, leicht in Richtung Lakritz. Angenehm. Erinnert mich aber eher an manche Porters, wobei wir ja geklärt haben, daß Stouts allesamt zur Familie der Porters gehören :D.

Im Geschmack durch den Hopfen sehr frisch. Normalerweise hat Stout einen Alkoholgehalt von UNTER 5%, denn die Leichtigkeit und Süffigkeit steigt bei Stouts mit Senkung des Alkoholgehalts. Daher haben die irischen Fassbiere einen geringeren Alkoholgehalt als die Extra Stouts für den Export. Dieses hier hat aber 7,5%. Das schmeckt mensch aber nicht. Neben Kaffee, dunkler Schokolade und dann definitiv etwas Lakritz ist schon eine schöne Frische vorhanden. Lecker.

Der Abgang ist smooth, aber trotzdem würzig. Sehr bekömmlich. Trotz des Alkoholgehaltes überwiegt die Frische. Gut.

Insgesamt hat dieses Bier Lust auf eine weitere Expedition ins Bierreich des Herrn Berberich gemacht. Da stimmt Handwerk, sowohl in Sachen Braukunst als auch Präsentation. Auch wenn der Preis im (allerdings für Craftbeer eigentlich normalem) mittleren Bereich liegt. Qualität hat halt ihren Preis. Und der geht wirklich noch, 3 Euro die kleine Buddel sind vollkommen OK. Das kostet mich auch eines meiner geliebten Insel-Ales, oft sogar mehr. Daher kein „Con“. Insgesamt ist dieses Exemplar aus dem Bierreich ein Top-Bier!

 

Kurz-Review Pilger Paderborner Landbier

Anmerkung: Ja, klar, sonst sind hier normalerweise recht teure Whiskies und teure Biere Thema, und das Paderborner ist ein „Billig-Bier“, aber als jemand, der in PB geboren ist und dort die ersten 32 Jahre seines Lebens verbrachte (also im Kreis PB) muss auch dieses Bier sein :D:

Ungefilterte Biere, seien es die Zwickels bzw. Kellerbiere oder die Landbiere, sind schwer im Trend. Der deutsche Konsument hat anscheinend einfach keinen Bock mehr auf Industrie-Pils. Was vor 130 Jahren noch eine Revolution war und vom rein brautechnischen her eine saubere Lösung, im wahrsten Sinne des Wortes, wurde zum langweiligen Geschmacks-Mainstream. Gefiltertes, untergäriges klares Pils. Auch regionale Spezialitäten, auch die obergärigen, hatten keine Chance. Und so wurden die meisten großen Player im Bier-Markt irgendwann fast beliebig. Teilweise gibt es noch regionale Geschmacksbesonderheiten, wie zB die frischeren Nordlichter a la Jever, Becks, Astra und Co, aber gegen Veltins, Warsteiner, Herforder und Co war kaum anzustinken. Oder gar Bitburger, welches ich persönlich (rein subjektiver Geschmack, andere mögen es anscheinend) für eines der schlimmst schmeckenden Industrie-Plörren überhaupt halte.

Manche Marken hatten schon länger auch andere Biere im Sortiment. Vor allem die bereits erwähnten Kellerbiere, auch Zwickel genannt, wären hier ein Beispiel. Dies sind ungefilterte Biere, meist untergärig, aber auch obergärig, je nach Gusto. Dann gibts halt noch die „Landbiere“. Keine wirklich definierte Art von Bier, aber am ehesten mit dem Kellerbier vergleichbar. Ungefilterte Exports, das wäre wohl am passendsten. Ungefilterte Biere sind übrigens wegen der noch vorhandenen Schwebstoffe rein nahrungstechnisch vollwertigere Biere mit mehr „Gehalt“. Von den großen Playern wäre in jüngster Zeit das Veltins Grevensteiner ein Exemplar dieser Gattung.

Aber zurück zum Paderborner Pilger. Regional gibt es dort seit einigen Jahren aus dem benachbarten Lipper Land das Detmolder Landbier der Detmolder Brauerei. Aber auch seit ca. 10 Jahren das Hövelhofer der Detmolder Brauerei, ebenfalls ein Landbier. Ironischerweise liegt Hövelhof im Kreis Paderborn, aber die Juniorchefin der Detmolder lebt nicht in Lippe, sondern eben in Hövelhof ;).  Paderborner, selbst ein Teil der Warsteiner-Gruppe, ist ja eher bekannt für ihr überall für wenig Geld zu habendes Dosen- und Flaschen-Pils. Tausende Bettel-Punks und Marktplatz-Säufer können nicht irren… Das Pils selbst ist schon OK, allerdings ist das Export (an den blauen Kronkorken zu erkennen) doch schon um einiges besser. Liebevoll „Blauhelme“ genannt in meinem Freundeskreis. Für die Gastronomie gibt es eh das „Paderborner Gold“, welches wiederum in die Richtung Warsteiner-Krombacher-Veltins geht imho.

Jetzt, dem Trend folgend, gibt es von Paderborner das „Pilger“. Eben ein ungefiltertes Landbier. Also wohl ein ungefiltertes Export ;). Ein sehr guter Kumpel aus der alten Heimat (ich komm da wech aus OWL) war so nett und hat mir zum Geburtstag ein paar Dosen Pilger geschickt ins rheinländische Exil :D. Danke Sven! Sven gehört übrigens ebenfalls zum Blauhelm-Fanclub :D. Seine News-Übersicht-Seite Neues vom Tage sei hier auch mal empfohlen.

Also schwups mal eine gekühlte Dose aufgemacht.

Das Design der Dose, naja, Paderborner und Design sind zwei Paar Schuhe, schon immer. Das muss wohl etwas trashig und cheesy sein. Geruch recht süss, aber angenehm. Exportig. Im Glas schöne gelbe Farbe, da nicht gefiltert. Krone recht fix weg. Geschmack ist sehr nah am Export. Hopfig, auch ein wenig säuerlich, aber eben nicht eklig wie das Bitburger, welches nach Erbrochenem schmeckt imho. Ein wenig Pfirsich und Zitrus.

Das PB-Export mag ich halt sehr gerne, und das hier ist schon irgendwie die Basis desselben. Insgesamt echt ordentlich. Eine würdige Alternative zum Export. Dem Paderborner Pils eh überlegen. Natürlich spielt da eine Menge Heimatgefühl mit. Aber egal. Für ein paar Cent die Dose oder Flasche, probiert es aus. It’s awesome, trust me, cheapest good beer in the world oder so. Faszinierenderweise wird es auch einfach nicht schal.

Ob es überhaupt überregional erhältlich ist, ist die Frage. Günstig ist auch dieses Bier, ca. 8 Euro die Kiste.

 

Kurz-Review Houblon Chouffe Triple Indian Pale Ale

Mein Lieblingsbelgier momentan, vielleicht sogar mein aktuell am liebsten im „Discounter“ gekaufte Bier aus der Exoten-Ecke, das Houblon Chouffe Triple Indian Pale Ale. Aus der Brauerei D’Achouffe kommen einige sehr sehr schöne Biere, dieses hier ist allerdings mein Favorit. Schaut doch einfach mal bei deren Website direkt vorbei. Also kommen wir zu (1) Geruch, (2) Geschmack, (3) Abgang und Fazit.

  1. Gleich nach dem Öffnen eröffnet sich eine recht typische Indian Pale Ale-Welt. Es riecht nach Mango, Pfirsich, Papaya, Mandarine. Die Hopfensorten in vielen IPAs gehen ja in die Richtung. Da freut sich doch die Nase.
  2. Im Geschmack kommt dann noch Zitrone, eher fast Limette dazu, dann auch etwas bittere Orangen. Extrem erfrischend.
  3. Hopfiger Abgang mit Grapefruit. Ein Knaller.

Dieses Ale knallt aber auch. Die 9% bemerkt mensch erst nach dem Trinken. Als ich dieses Bier das erste Mal mit einem Freund im Sommer trank waren wir verwirrt, daß wir nach einer Flasche bereits einen spürbaren Alkohol-Effekt bemerkten. Sind ja nur 0,33l. Aber als wir dann schauten, wieviel %vol dieser Zwerg hat, waren wir mehr als überrascht. Es ist nämlich zu keiner Zeit als „schweres“ im Sinne von stark alkoholischem Bier zu erschmecken. Das ist sicher eine Eigenheit vieler stärkerer IPAs, aber hier ist das meines Erachtens auf die Spitze getrieben. Davon ein  Kasten auf einer Party im Sommer und… Exitus :D. Nicht billig, aber großartig.

Kurz-Review St. Bernardus Prior 8 Abbey Ale

JederR, der oder die sich mit dem wunderbaren vergorenen Brot beschäftigt, weiß, daß die Belgier in Sachen Bier zu den ganz großen Playern gehören. Daher hab ich an einem besonderen Abend, neben dem Tyranny spielen, Obsidians neuestem RPG, mal 2 belgische Biere am Start. Ehefrau spielt Pen und Paper mit ihren Mädels, da hab ich dann „sturmfrei“ :D. Den Anfang macht das St. Bernardus Prior 8 Abbey Ale. Hier gehts zur Brauerei-Website.

In der Nase schon malzig, süss. Im Geschmack ebenfalls. Süffig. Lecker. Nur im Nach/Abgang hopfig. Kräftig, aber doch smooth.

Ich habs mal tatsächlich nur auf die empfohlene Temperatur runter gekühlt, auf der Flasche steht „8°-12°C empfohlen“ drauf, IST-Temperatur grade bei 10°C. Mmmmmm. Sehr sehr gutes Bier. Die 8%vol sind absolut nicht bemerkbar. Ein wahrhaft großartiges Tier aus der Familie der Ale- und Biertiere.

Kurz-Review Schorschbock Bockbier 13%Vol

In Franken braut Georg  Tscheuschner in seiner Schorschbräu-Brauerei ein paar sehr außergewöhnliche Biere. Die Spezialität dieser Brauerei sind Biere mit einem extrem hohen Alkohol-Gehalt. Wir reden hier aber nicht von „Starkbieren“ mit 7%, nein, wir reden hier von Bockbieren, die bei 13% anfangen und sich über die 30er und 40er erstrecken, bis zu 57% sind möglich! Ich persönlich habe mich an die 13er Varianten getraut und gestern abend einen Schorschbock 13 verköstigt.

Georg Tscheuschner gründete die Brauerei 1996 mit dem Augenmerk auf kleine Mengen besonderer Biere bei hoher Qualität. Er ist somit einer der Vorreiter des momentan boomenden Craft Beer-Trends gewesen. Der Braumeister empfiehlt, sich einem solchen Bockbier eher wie einer Spirituose zu nähern. Also erst mit der Nase, die Aromen wirken lassen, die Entwicklung derselben zu verfolgen und dann das Zusammenspiel von Nase und Gaumen zu erkunden. Das sind beileibe keine Biere zum kippen, sondern anspruchsvolle Getränke, die Richtung Liköre gehen. Da muss mensch sich Zeit nehmen. Daher verwende ich die gleichen Modalitäten wie bei den Whisk(e)y-Reviews.

Trinktemperatur: ca. 4°C

Nase: Malz, etwas Lakritz. Sherry, Port-Wein, Rotwein. Trauben, dunkle Kirsche. Nicht unangenehm.

Gaumen: Port, Sherry, Kirsche. Cola. Malz.

Abgang: Lang und süss.

Fazit: Lecker. Ein Bier zum Genießen!