Bruichladdich The Botanist Dry Islay Gin – Test im Martini und Gin Tonic

Willi der 3., der Jenever-König

Es begab sich im Jahre des Herrn 1689, daß nach einigen Wirren Wilhelm III. von Oranien-Nassau  König Englands wurde. Als Holländer (auch wenn Nassau tatsächlich eher im Wald hinter Koblenz liegt) konnte er natürlich nicht auf seinen Genever verzichten. Zu der Zeit war der englische Spirituosen-Markt dominiert von französischen Produkten. Um dies zu beende, befreite er die Wacholder/Genever-Brennereien seines Königreiches von den Steuern, gleichzeitig erhob er immense Zölle auf die Einfuhr von französischem Branntwein. Der mittlerweile Gin abgekürzte Genever (Genever kommt vom lateinischen Juniper, also Wacholderbeere, logisch) wurde so in Großbritannien der günstigste verfügbare Schnaps mit hohem Alkoholgehalt. Das führte zwischen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts zu epidemieartigen Alkoholismus-Fluten in der britischen Gesellschaft, denn der doch recht dreckig gebrannte Gin war hart, rau und extrem hochprozentig. Da wurden die Fassstärken literweise getrunken. Mit allen sozialen Katastrophen, die daraus resultieren.

Ugly Betty, Foto von Ale Granholm, CC BY 2.0 Lizenz

Gin wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts allerdings ein wichtiger Träger der Cocktail-Kultur. Gin Tonic mit verschiedensten Kräutern, Gins und Tonic Waters sind eine Kunst. Genauso wie ein richtiger Martini, aber da kommen wir noch drauf. Und auch Schottland hat neben Whisky seinen Gin, zB den Hendricks. Anfang des 21. Jahrhunderts begann Gin, sich erneut zu emanzipieren als Qualitäts-Spirituose jenseits vom reinem Cocktail-Drink, auch pur wurde jetzt genossen. Daher hat vor einiger Zeit auch die von mir hochgeschätzte Destillerie Bruichladdich von der schottischen Insel Islay angefangen, einen Gin aus 22 lokalen Kräutern (sowie einem weiteren Dutzend importierter) zu brennen. Und das ganze in einer alten Distille namens Uggly (ja, mit 2g) Betty aus dem 2. Weltkrieg. Betty hat früher auch den großartigen, göttlichen Bruichladdich-Malt geboren, wurde aber jetzt für Gin reserviert.

Das neue Flaschendesign ist sehr schön, früher war das Design des The Botanist bemüht „funky modern“, jetzt ist es eine schöne runde Flasche, in deren Glas reliefartig die Botanicals zu lesen sind. Sie hat, wie es sich für eine ordentliche Spirituose gehört, einen Korken. Ja, ich stehe auf Korken und finde es manchmal einfach enttäuschend, wenn zB ein sehr guter Whisk(e)y im oberen Preissegment einen Schraubverschluss hat. Ja, sowas gibt’s. Abgefüllt wird der Botanist mit 46% Vol. Die verschiedenen 22 lokalen Botanicals zeigt Bruichladdich sehr schön auf der Botanist-Produktseite hier.

 
Gansloser Black Gin Distillers Cut

Ich muss dazu sagen, daß ich in Sachen Gin ein dreckiger N00b bin. Ich hab zwar in meinem Leben schon viel Gin Tonics getrunken, aber meistens nur mit eher normalen Gins. Beefeater, Bombay, Gordons und Co. Also nichts unbedingt großartiges. Doch in den letzten 2 Jahren bin ich immer mal wieder bei einem Gin Sul, Windspiel, Gansloser und anderen Gins gelandet. Aber fast immer mit den verschiedensten Tonic Waters und anderen Gewürzen, Früchten etc. die der geneigte Barprofi, der sich einfach besser auskennt, mir kredenzte. An einem schönen Silvester-Abend im Pegelhaus, eine von Koblenz angenehmsten Adressen zum guten Essen und Trinken, wurde mir im Rahmen eines Mehrgänge-Menüs am späteren Abend vom Cheffe ein Gin empfohlen, den ich auf jeden Fall mal pur probieren sollte. Da er wusste, daß ich ein Malthead bin, wollte er mal schauen, wie mir denn ein purer Gin schmeckt und wohl vor allem, ob ich ihn runterkriege. Das war ein Gansloser Distillers Cut. Eine Fassstärke. Leicht in der Küche angewärmt. Und was soll ich sagen: großartiges Aroma. Fassstärken mag ich ja eh und brauche da auch beim Malt meist kein Wasser. Gin kann also auch was ohne Tonic Water oder Wermuth.

Aber zurück zum Bruichladdich The Botanist. Als erstes habe ich ihn als Martini ausprobiert. Nicht pur. Einen richtigen Martini. Und der wird mit richtigem Wermut-Wein gemacht, nicht einem einfachen Martini Dry. Dafür nehmen die meisten Barkeeper mindestens einen Noilly Prat, einen trockenen französischen Wermut-Wein. Seit 200 Jahren existiert diese Firma und sie war lange Zeit der größte Konkurrent zu Martini und durch ihre Vorreiterrolle im Export in die USA zB lange Zeit internationaler Marktführer noch vor Martini. Aber Ironie der Geschichte, vor 30 Jahren wurde Noilly Prat erst vom Martini-Konzern geschluckt und dieser dann wenige Jahre später von Bacardi. Die Geschäftsführung von Noilly Prat innerhalb des Bacardi-Konzerns ist aber immer noch in der Hand eines Ur-Ur-Ur-Ur-Enkels eines der beiden Gründer und somit immer noch familiengeführt. Er ist um einiges intensiver wie zB ein Martini Dry, weshalb weniger Wermut in Cocktails oft reicht für einen Wermut-Geschmack.

Also haben wir mal schwupps

  • 6cl Gin
  • 1cl Noilly Pratt

 

Mein Martini 😀

zusammen mit Eis in den Shaker, lustig geschüttelt und dann ins Glas abgeseiht. Und eine Olive (aus Lake, nicht Öl!) durfte nicht fehlen. Das Ergebnis war phänomenal. Sowohl der Botanist, der von der Nase pur her schon ein sehr straighter Gin ist (Wacholder im Vordergrund, die Botanicals recht dezent, keine Süße) als auch der ultrastraighte Noilly Prat ergaben einen Drink, der alles andere als pflegeleicht war. Ein wilder, roher Martini ohne Kompromisse. Auf der einen Seite sehr rau, aber durchaus komplex. Vielleicht vielen zu rau, aber ich fand das bereits großartig. Beide Komponenten definitiv zu erschmecken und ein trockener Wermut ist aromatisch durchaus nicht so weit von Wacholder entfernt finde ich.

Danach habe ich noch 2 Gin Tonic probiert. Pur werde ich mir die Tage mal richtig Zeit nehmen. Daher wird sich der Artikel noch etwas verändern. Leider war momentan nur Schweppes Extra Dry Tonic Water zu kriegen, aber das ist eigentlich für diese Art Gin vollkommen in Ordnung. Und es war ebenfalls ein sehr kompromissloser Gin Tonic. Einige Gins sind ja durchaus süß. Der hier nicht. Daher ist der Gin Tonic auch genau das: Gin und Tonic. Lecker. Rau, aber lecker.

Für 29 Euro ist der The Botanist echt ein No Brainer!

Aber denkt immer an die weisen Worte des Paten der jüdischen Mafia im London der 20er Jahre, Alfie Salomon, aus den großartigen Peaky Blinders:

All right, the problem right betweeen rum and gin is that gin, it leads to the melancholy, whereas rum incites violence and it also allows you to be liberated from the self doubt. Right here, you are probably more in need of the old rum.“ 

Bruichladdich The Botanist Dry Islay Gin

Bruichladdich The Botanist Dry Islay Gin
8.9

Nase

9.0 /10

Zunge

9.0 /10

Abgang

8.5 /10

Qualität

9.0 /10

Preis/Leistung

9.0 /10

Pros

  • Preis
  • Qualität
  • Balanziertes Aroma

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