Kurz-Review Baltic Stout Rügener Inselbrauerei

Den meisten Menschen mit offenen Augen und Hang zu außergewöhnlichen Bieren sind die im Einzelhandel gut platzierten Biere der Rügener Inselbrauerei bestimmt schon aufgefallen. In ansprechenden, in Papier gehüllten Flaschen, das ganze dann in schicken Holzkisten, erhältlich in 0,33l und 0,75l. Der Werbeslogan „Expedition ins Bierreich“ ist ebenfalls ansprechend, ich finde ihn irre witzig :D. Im Hopfenhelden-Craftbeer-Onlinemagazin findet sich ein gutes Portrait der Brauerei, daher brauche ich da wenig zu schreiben. Nur soviel, das Mastermind der Rügener Inselbrauerei ist Markus Berberich, der schon als Braumeister der Stralsunder Brauerei „nebenan“ mit den Störtebeker-Bieren eine Nische hochwertiger, interessanter und guter Biere besetzt hat und diese Brauerei aus der Krise führte. Sein neues, eigenes Projekt Rügener Inselbrauerei hat auf den letzten World Beer Awards brutalst Preise abgeräumt. Läuft :D.

Stout kennen die meisten Menschen eher als Guinness oder Murphys oder vielleicht auch mal ein Samuel Adams oder Youngs. Eher aber die erstgenannten beiden, denn Stouts sind die wohl bekanntesten Vertreter irischer Biertradition. Streng genommen müssten diese Biere „Stout Porter“ heißen, starke Porter. Porter haben ihren Namen von den „Porters“, den Lastenträgern in den Häfen der Britischen Inseln. Aber da kommen wir nachher noch einmal zu.

Das „Baltic Stout“ (denn sowohl Porter als auch Stouts, vor allem Imperial Stouts, waren im Ostsee-Bereich (Baltic Sea) immer sehr angesagt seit Jahrhunderten) hat eine ansprechende Präsentation. Sehr schöne Flasche. Im Glas ist es tiefschwarz. Die Krone ist cremig, wenn auch nicht so cremig wie zB einem irischen Standard-Stout.

Der Geruch ist recht frisch. Frischer wie ein Insel-Stout. Der Hopfen, der sonst sehr mild und gegen die dominante Malz-Note bei Stouts kaum durchkommt, ist hier präsent. Fast schon „ale-ig“. Die Malz-Note ist auch etwas anders. Es riecht auch würziger, leicht in Richtung Lakritz. Angenehm. Erinnert mich aber eher an manche Porters, wobei wir ja geklärt haben, daß Stouts allesamt zur Familie der Porters gehören :D.

Im Geschmack durch den Hopfen sehr frisch. Normalerweise hat Stout einen Alkoholgehalt von UNTER 5%, denn die Leichtigkeit und Süffigkeit steigt bei Stouts mit Senkung des Alkoholgehalts. Daher haben die irischen Fassbiere einen geringeren Alkoholgehalt als die Extra Stouts für den Export. Dieses hier hat aber 7,5%. Das schmeckt mensch aber nicht. Neben Kaffee, dunkler Schokolade und dann definitiv etwas Lakritz ist schon eine schöne Frische vorhanden. Lecker.

Der Abgang ist smooth, aber trotzdem würzig. Sehr bekömmlich. Trotz des Alkoholgehaltes überwiegt die Frische. Gut.

Insgesamt hat dieses Bier Lust auf eine weitere Expedition ins Bierreich des Herrn Berberich gemacht. Da stimmt Handwerk, sowohl in Sachen Braukunst als auch Präsentation. Auch wenn der Preis im (allerdings für Craftbeer eigentlich normalem) mittleren Bereich liegt. Qualität hat halt ihren Preis. Und der geht wirklich noch, 3 Euro die kleine Buddel sind vollkommen OK. Das kostet mich auch eines meiner geliebten Insel-Ales, oft sogar mehr. Daher kein „Con“. Insgesamt ist dieses Exemplar aus dem Bierreich ein Top-Bier!

 

Kurz-Review Pilger Paderborner Landbier

Anmerkung: Ja, klar, sonst sind hier normalerweise recht teure Whiskies und teure Biere Thema, und das Paderborner ist ein „Billig-Bier“, aber als jemand, der in PB geboren ist und dort die ersten 32 Jahre seines Lebens verbrachte (also im Kreis PB) muss auch dieses Bier sein :D:

Ungefilterte Biere, seien es die Zwickels bzw. Kellerbiere oder die Landbiere, sind schwer im Trend. Der deutsche Konsument hat anscheinend einfach keinen Bock mehr auf Industrie-Pils. Was vor 130 Jahren noch eine Revolution war und vom rein brautechnischen her eine saubere Lösung, im wahrsten Sinne des Wortes, wurde zum langweiligen Geschmacks-Mainstream. Gefiltertes, untergäriges klares Pils. Auch regionale Spezialitäten, auch die obergärigen, hatten keine Chance. Und so wurden die meisten großen Player im Bier-Markt irgendwann fast beliebig. Teilweise gibt es noch regionale Geschmacksbesonderheiten, wie zB die frischeren Nordlichter a la Jever, Becks, Astra und Co, aber gegen Veltins, Warsteiner, Herforder und Co war kaum anzustinken. Oder gar Bitburger, welches ich persönlich (rein subjektiver Geschmack, andere mögen es anscheinend) für eines der schlimmst schmeckenden Industrie-Plörren überhaupt halte.

Manche Marken hatten schon länger auch andere Biere im Sortiment. Vor allem die bereits erwähnten Kellerbiere, auch Zwickel genannt, wären hier ein Beispiel. Dies sind ungefilterte Biere, meist untergärig, aber auch obergärig, je nach Gusto. Dann gibts halt noch die „Landbiere“. Keine wirklich definierte Art von Bier, aber am ehesten mit dem Kellerbier vergleichbar. Ungefilterte Exports, das wäre wohl am passendsten. Ungefilterte Biere sind übrigens wegen der noch vorhandenen Schwebstoffe rein nahrungstechnisch vollwertigere Biere mit mehr „Gehalt“. Von den großen Playern wäre in jüngster Zeit das Veltins Grevensteiner ein Exemplar dieser Gattung.

Aber zurück zum Paderborner Pilger. Regional gibt es dort seit einigen Jahren aus dem benachbarten Lipper Land das Detmolder Landbier der Detmolder Brauerei. Aber auch seit ca. 10 Jahren das Hövelhofer der Detmolder Brauerei, ebenfalls ein Landbier. Ironischerweise liegt Hövelhof im Kreis Paderborn, aber die Juniorchefin der Detmolder lebt nicht in Lippe, sondern eben in Hövelhof ;).  Paderborner, selbst ein Teil der Warsteiner-Gruppe, ist ja eher bekannt für ihr überall für wenig Geld zu habendes Dosen- und Flaschen-Pils. Tausende Bettel-Punks und Marktplatz-Säufer können nicht irren… Das Pils selbst ist schon OK, allerdings ist das Export (an den blauen Kronkorken zu erkennen) doch schon um einiges besser. Liebevoll „Blauhelme“ genannt in meinem Freundeskreis. Für die Gastronomie gibt es eh das „Paderborner Gold“, welches wiederum in die Richtung Warsteiner-Krombacher-Veltins geht imho.

Jetzt, dem Trend folgend, gibt es von Paderborner das „Pilger“. Eben ein ungefiltertes Landbier. Also wohl ein ungefiltertes Export ;). Ein sehr guter Kumpel aus der alten Heimat (ich komm da wech aus OWL) war so nett und hat mir zum Geburtstag ein paar Dosen Pilger geschickt ins rheinländische Exil :D. Danke Sven! Sven gehört übrigens ebenfalls zum Blauhelm-Fanclub :D. Seine News-Übersicht-Seite Neues vom Tage sei hier auch mal empfohlen.

Also schwups mal eine gekühlte Dose aufgemacht.

Das Design der Dose, naja, Paderborner und Design sind zwei Paar Schuhe, schon immer. Das muss wohl etwas trashig und cheesy sein. Geruch recht süss, aber angenehm. Exportig. Im Glas schöne gelbe Farbe, da nicht gefiltert. Krone recht fix weg. Geschmack ist sehr nah am Export. Hopfig, auch ein wenig säuerlich, aber eben nicht eklig wie das Bitburger, welches nach Erbrochenem schmeckt imho. Ein wenig Pfirsich und Zitrus.

Das PB-Export mag ich halt sehr gerne, und das hier ist schon irgendwie die Basis desselben. Insgesamt echt ordentlich. Eine würdige Alternative zum Export. Dem Paderborner Pils eh überlegen. Natürlich spielt da eine Menge Heimatgefühl mit. Aber egal. Für ein paar Cent die Dose oder Flasche, probiert es aus. It’s awesome, trust me, cheapest good beer in the world oder so. Faszinierenderweise wird es auch einfach nicht schal.

Ob es überhaupt überregional erhältlich ist, ist die Frage. Günstig ist auch dieses Bier, ca. 8 Euro die Kiste.

 

Kurz-Review Writers Tears Cask Strenght Limited Edition 2013

So, jetzt probier ich ihn mal. Letzte Woche wie bereits im Vorgängerpost zu lesen war geschenkt bekommen. Single Malts mit Pure Potstill. Nicht kühlgefiltert, nicht gefärbt, dreifach destilliert.

Da die Walsh-Distille erst seit letztem Jahr selbst brennt sind das Pot Stills und Single Malts aus der Midleton-Distille, von Bernad Walsh selektiert und in amerikanischer Eiche gereift.

Nase: Sanfte Vanille meets Äpfel. Birne. Weihnachtsplätzchen. Malz. Karamell. Frisches Kraut. „Frühlingshaft“. Eiche. Quitte. Pfirsich? Bissl Ingwer, Lebkuchen. Met. Honig. Recht komplex.

Zunge: Karamell und weiße Vanille. Malz/Getreide/Cerealien. Apfel. Banane. Gewürze. Eiche. Mischung aus „Weihnachten“ und Frische. Plätzchen. Nussig. Der Alkohol gibt den Dampf, den ich bei dem „normalen“ vermisst habe. Das schiebt vor allem die Würze, aber auch die Keks-Noten nach vorne.

Abgang: recht lang, eichig würzig. Nussig und weiße Schokolade. Warm.

Fazit: der extra Dampf hat ihm gut getan. Sehr sehr leckerer Ire. Leider nicht so günstig. Aber war ja ein Geschenk. Jetzt, nach den ersten Schlücken, würde ich ihn sogar kaufen. Nen Korken nur aus Stylegründen (ist ja eigentlich wumpe) wäre noch der Knaller bei nem Iren, der Richtung 100 Euro marschieren kann.  Der „normale“, der mir trotzdem ganz gut gefallen hat, hatte da 7,7 als Durchschnittsnote in diesem Blog (der olle Murray hat dem normalen 93! gegeben…). Imho einer der besten Iren nach meinem subjektiven Empfinden.

Normalerweise hat mensch ja immer etwas Angst, wenn Freunde, die nicht so in diesem Malthead-Dingen stecken, einem einen Whisky oder Whiskey schenken (die berüchtigte Jim Beam-Buddel von Tante Erna…) und die stecken nicht so in der Materie. Daher war ich besonders überrascht. Super Wahl! Danke! Gute Freunde halt :D. Die Aufmachung in der Holzbox ist auch sehr schick. Großes, schweres Biest. passt aber leider nicht in einen Kallax/Expedit ;).