Review Braugarten Pale Ale No1

Manche Dinge kann mensch für Geld nicht kaufen. So auch das Braugarten Pale Ale No1. Egal wie viele Milliarden Rubel im Koffer liegen. Das ist auch bei diesem Ale der Fall. Denn Braugarten ist das ursprüngliche Hobby-Projekt einiger Enthusiasten aus Osnabrück, die ihre Faszination für hochwertige Spirituosen und Biere in die Kreation eigener, handgemachter Biere gewandelt haben. Tomas,  Jan und Konsorten hatten vorher im, thematisch mit diesem Blog hier recht identischen, Blog Blong Drink über primär Whisky, Bier jedweder Art und andere geistreiche Getränke geschrieben. Das machen sie sogar schon relativ lang, seit sieben Jahren immer mal wieder. Tomas, den ich auch via Google Plus schon länger kenne, dazu im BBD:

„Irgendwann Anfang 2015 lagen Plattfuss und ich also bei unseren Getränken und beschlossen, wir müssten nun endlich mal vom Schreiben zur Tat übergehen – und anfangen Bier zu brauen.“ 

Also haben sich die Freunde zusammen gefunden und einfach angefangen, „Homebrew“ im wahrsten Sinne des Wortes zu brauen. In einem Schrebergarten. Daher: Braugarten. Private Microbreweries (funky Buzzword :D) dürfen nach deutschem Recht 200l brauen für sich und brauchen auch so nen Bullshit wie das bajuwarische Alpenkatholiban-Reinheitsgebot nicht so sklavisch beachten. Bier brauen wollten ein Kumpel und ich auch schon dutzende Male anfangen, und es gibt einige Sets, aber es ist bisher nie was geworden. Ein sehr guter Freund, Gerrit, hat in Vergangenheit öfter mal versucht, Bier zu brauen, und das hat sogar so gut geklappt, daß ich ihm mal die Reste seines selbst gebrauten Porters aus dem Kühlschrank trinken MUSSTE. Sprich, Gerrits Versuch war ebenfalls sehr erfolgreich. Sicher sind Homebrews immer etwas anders als „Industriebier“, aber eben das macht die Faszination aus. 

Braugarten Pale Ale No1 frisch ausgepackt
Braugarten Pale Ale No1 frisch ausgepackt

Die Braugarten-Crew, bestehend aus Ben, Jan, Tobi und Tom, fing also an zu experimentieren, die gesamte Geschichte lässt sich hier und hier nachlesen. Im letzten Sommer kam ein Altbayrisch Dunkel, zu Weihnachten ein Weihnachtsbier und Ende Mai ein Pale Ale, das Braugarten Pale Ale No1. Ale! Ja, da wurde der Frank hellhörig, denn wie mensch hier auf dem Blog lesen kann sind Ales aller Art genau mein Ding. Also flugs mal Tomas angeschnorrt, ob denn da noch ein Fläschchen für ein Review vorhanden wäre. Jan war dann so nett, mir ein Paket mit einer Flasche des Braugarten Pale Ale No1 zukommen zu lassen. Innerhalb von kürzester Zeit kam das Bier sicherstens verpackt an und ich musste es sofort aufreißen und bewundern.

Eine schöne braune 0,33l Glasflasche kam zum Vorschein. Mit einem netten Etikett. Find ich sogar ganz ansprechend, denn grade was Etiketten angeht sind viele Kleinbrauereien, die gute Biere machen, katastrophal. Beispiel ist unsere Lahnsteiner Brauerei, die top Biere macht und deren Chef und Brauer auf einem anerkannten Top Level brauen, deren Etiketten aber meistens aussehen, als ob sie in den 70ern auf Acid im Waldorf-Kindergarten entworfen wurden… Da zB die Craftbiere der Lahnsteiner teuer sind, denn Qualität hat ihren Preis, finde ich es oft unglücklich, wenn das Design der Etiketten so altbacken aussieht.

Und deswegen finde ich das Etikett des Braugarten Pale Ale No1 sehr gut. Denn das ist ja Craftbier von Enthusiasten in kleinster Auflage. Super-Micro-Brewery quasi :D.  Einfach, aber nicht hässlich. 

Kommen wir zu den inneren Werten des Braugarten Pale Ale No1. Es ist, wie der Name bereits sagt, ein Pale Ale. Pale Ales sind normalerweise recht helle Ales, aber es gibt sie auch in Dunkel. Ein obergäriges Bier, meist bei 15°C-20°C gebraut. In Großbritannien ist das Pale Ale seit über 300 Jahren ein typischer Vertreter der Ales. Nach dem Wechsel von Holzfeuer zu Koksfeuer beim darren des Malzes wurde das Ale heller, das Pale Ale war geboren. Pale Ales mit höherem Alkohol-Anteil nennen sich IPA, Indian Pale Ale, da der höhere Alkoholanteil die Biere für den langen Transport nach Indien haltbarer machen sollte. Bei IPAs war eigentlich geplant, daß diese dann am Ursprungsort, eben zum Beispiel in den indischen Kolonien, mit Trinkwasser wieder auf die Stärke von normalem Pale Ale runter gepanscht werden sollten. Aber das hat nicht so ganz geklappt, denn IPAs genießt mensch am besten mit eben mehr Dampf :D. Das Pale Ale verbreitete sich auch in anderen Ländern und sorgte für die Entstehung weiterer Pale Ale-Varietäten, wie zum Beispiel dem französischen Biére de garde oder aber den belgischen Pale Ales, welche eine eigene Tradition und Sortenvielfalt entwickelte. Das Braugarten Pale Ale No.1 hat 5,6% Alkohol. Ein guter Wert für ein Pale Ale. Ich persönlich finde, daß beim Ale mehr immer geht, solange es unter Bock-Niveau bleibt. Bei IPAs eh, da gehört es zur Definition, bei „smootheren“ Pale Ales aber auch.

Die verwendeten Hopfensorten sind Nordbrauer und East Kent Goldings. Ersteres ist wohl der Hallertauer Bazi-Hopfen, der oft verwendet wird, der East Kent ist ein bei Bieren von der Insel häufig verwendeter klassischer Ale-Hopfen. Als Malz kamen Wiener Malz, Münchner Malz, Caramalz und Farbmalz zum Einsatz. Das Quellwasser kam aus Brandenburg, warum auch immer, und es wurde ein wenig Zucker zugesetzt. Was ich persönlich nicht schlecht finde, ich bin persönlich auch durchaus ein Fan des Newcastle Brown Ale, aber da kommen wir noch nachher zu. Als Hefe kam Safale S-04 zum Einsatz, eine ebenfalls für englische Ales sehr beliebte Hefe-Sorte, welche ursprünglich auch aus England stammt. Keep it real, keep it traditional.

Für das Braugarten Pale Ale No1 habe ich mir einen guten Zeitpunkt ausgewählt. Ich wollte es nicht einfach Abends nebenher einfach trinken, ein gutes Bier für einen guten Moment ist da besser. Daher wartete es noch eine Zeit lang im Kühlschrank, sodaß es auch auf angenehme 8°C runter gekühlt wurde. Nach einer Einladung durch meine Schwieger-Eltern zum Grillen dachte ich, das wäre doch mal das richtige Ambiente, um das Ale zu testen. Denn nichts passt so gut zu einem guten BBQ wie ein gutes Pale Ale. Also schön vor dem Genuss der Steaks (nicht daß diese den Geschmack verfälschen) eingeschenkt. Eine sehr feste Krone kam zu meiner Überraschung ins Glas. Siehe Bild. Fest und schon recht lecker. Die Farbe des Ales war recht dunkel. Farbmalz und Zucker halt. Das weckte durchaus Vorfreude, denn meine liebsten Ales sind recht dunkel (zum Beispiel das großartige Black Sheep Riggwelter Dark Yorkshire Ale).

In der Nase definitiv malzig süß, aber frisch, gar nicht schwer, nicht zu süß. Subtiler Hopfen, der etwas fruchtig ist. Das müsste der East Kent Goldings sein. Angenehm. Nicht direkt Zitrus, aber irgend etwas anderes frisches fruchtiges obstiges. Unterschwellig, nicht dominant, kein Hopfen-Amoklauf wie oft bei Craft-Ales. Im Mund sehr erfrischend, angenehm.  Sehr sehr subtil, sehr bekömlich. Erst ein Gefühl eines Bastards zwischen Alt und Pils, aber dann doch anders. Denn es kommt eine Art „Cola“-Geschmack (Weingummi-Colafläschchen? Mezzo-Mix? Nicht genau Cola, da ist ne Orange-Komponente oder so dabei) dazu. Und nein, das heißt nichts schlechtes. Das von mir hochgeschätzte Newcastle Brown Ale hat haargenau diese „braune Limo“-Komponente in meinem subjektiven Geschmacksempfinden, ist aber aufgrund der recht laschen Volumenprozente (ja, ich bin da verdorben in der Hinsicht, alles unter 5% ist Light-Bier) eher wässriger.  Das Pale Ale No1 aber hat wieder etwas mehr Dampf. Obwohl es in Sachen Erfrischung trotzdem seine Sache super gut macht. Dann kommt irgendwann der Hallertauer Hopfen und übernimmt das leicht fruchtige Terrain des wohl vom East Kent stammenden Ale-typischen Geschmacks. Aber auch nicht unangenehm, was ich aber begrüße, da ich mit manchen deutschen Hopfensorten auf dem Kriegsfuss stehe. Der Abgang ist kurz, der Hopfen und damit die Säure im Abgang recht schnell weg. Es bleibt ein Gefühl der herben Frische. Und grade im Abgang ist es schwierig, den Hopfen so hinzukriegen, daß er erfrischt und nicht nach abgestandener Galle und Erbrochenem schmeckt wie zB in gewissen Pilsenern aus Byteburg… 😉 Ja, wie bereits gesagt, ich bin da empfindlich. Ich liebe stark gehopfte Ales, vor allem jene mit leichten Fruchtnoten, aber manche Industriebiere, vor allem dieses eklige Bit, da krieg ich das Kotzen, denn solcher Hopfen sorgt bei mir persönlich für ein extrem ungutes Gefühl. Hier ist alles perfekt und lecker. 

Fazit: Ein wunderbar gelungenes Experiment. Hier haben Hobbyisten gezeigt, daß sie mit viel Liebe und Herzblut ein Bier brauen können, welches auch Ale-Freaks wie mich überzeugen kann. Vor allem als erfrischendes Bier beim Grillen macht es sich perfekt. Eine Art besseres Newcastle Brown Ale, weil der „Frucht und Cola“-Charakter imho vorhanden ist, aber eben nicht so wässrig. Das hier ist auch ein Bier, von dem mehr wie eins (oder zwei oder drei) getrunken werden kann. Viel Craftbiere, aber auch viele IPAs oder Porters oder exotische Stouts, sind ja dermaßen komplex und heftig, daß es dort nur wirklich Spaß macht, wenn mensch bei einer Flasche davon bleibt. Nicht so hier, das wäre perfektes Bier für eine Party. Eben weil es so gut runter geht, erfrischt und einfach süffig ist. Es war mir eine wahre Ehre, hier ein Bier probieren zu dürfen, welches gar nicht zu kaufen ist. Exklusiver geht es nicht. Vielen Dank dafür. Und, wenn ich es richtig verstanden habe, wollen die Jungs auch einen Schritt weiter gehen und die Hobby-Produktion in Richtung echter Micro Brewery ausbauen, sodaß ich vielleicht irgendwann einfach einen 6er von diesem großartigen kleinen Ale auf braugarten.com bestellen kann.  Und als Aussicht auf kommende Experimente der Jungs auch sehr schön. Den Nordbrauer Hallertauer Hopfen vielleicht einfach mit Mandarina Bavaria-Hopfen austauschen, den East Kent aber drin lassen, 2-3% mehr Alkohol und das ganze wäre schon ein echt gutes Dark IPA :D. Aber auch so schon super.

 
 

 

Kurz-Review Hopfenstopfer Incredible Pale Ale von Häffner Bräu

Eigentlich wollte ich doch ein wenig mehr schreiben zu diesem IPA. Aber, lest selbst warum es sich in meinen Augen, Nase und Gaumen einfach nicht lohnt…

Nase: Süß, nur wenig fruchtig für ein IPA. Hmmm…. Mandarine, Pfirsich nur sehr dezent. Aber dafür die Süße eines Bockbieres? WTF?

Mund: Süß. Malzig. Die 6,1% schmeckbar. Was ja bei einem IPA eigentlich nicht sein sollte. Im Nachgeschmack erst etwas mandarinig. Nicht so schlecht, aber viel zu “bockbierig”. Die fruchtigen Hopfensorten versuchen immer wieder, nach vorne zu kommen, aber sie schaffen es am für die IPA-durchschnittlichen 6,1% nicht vorbei. Schade. Es gibt Killer-IPAs, die 9% haben und NULL nach strange gehopftem Bockbier schmecken, dieser latente Port-Geschmack. Das klappt hier gar nicht. Fruchtiges Elephanten-Starkbier? Irgendwie. Aber nicht so trinkbar, weil die Hopfigkeit nicht geil ist. Neben der Süße eine böse Erinnerung an das schlechteste Bier der Welt…

Abgang: Bitter. Hopfig. Erinnert fast an das Bier, welches ich am meisten verabscheue: Bitburger. Die schrecklichste  bittere Plörre in dieser Galaxie. Vielleicht auch aller Multiversen. Nur die leichte Fruchtnote macht es noch relativ erträglich. Die ist aber für ein IPA ja fast schon  homöopathisch (also nicht wissenschaftlich nachweisbar). 

Fazit: Ne, dat is nix für mich. Geschmäcker sind verschieden, aber wer den Inhalt dieser Flasche mag, der trinkt auch Bitburger. Das erste Bierreview seit langem, nein, überhaupt, welches mir keinen Spaß macht. Da erspare ich mir auch jedwede weiteren Worte zu Brauerei und Co wie sonst gerne mal. Wie dieses IPA bei ratebeer auf die Rezis und Punkte kommt ist mir unverständlich. Und ich bilde mir ein, grade bei den verschiedensten Ales einen guten und ausgeprägten und vielseitigen Gaumen und Nase zu haben. Vielleicht hab ich auch nur nen miesen Batch erwischt… 

 

Nachtrag: Nachdem mir Freunde sagten, daß sie dieses Bier ganz anders erlebten und diese sonst einen ähnlichen Geschmack haben, habe ich die Flasche kontrolliert. Sie war noch haltbar. Aus Gründen der Fairness aber habe ich mir noch eine Flasche gekauft und werde dieses Bier erneut testen. Vielleicht war es wirklich nur eine schlechte Flasche.

Update zum Nachtrag: Auch die zweite Flasche fand ich persönlich nicht gut. Anscheinend ist das hier einfach nicht mein Bier. Wir werden keine Freunde. Allerdings gibt es Leute, die auf sowas stehen. Geschmäcker sind verschieden, und auch wenn das hier ein handwerklich ordentlich gemachtes Bier ist, die Hopfung ist in meiner persönlichen Geschmacksempfindung eben mehr als „meh“..

Plymouth Gin – Pur, als Gin Tonic und im Dry Martini

Teil 1: Einleitung

Vor uns steht ein Plymouth Gin aus der Black Friars Destillerie in Plymouth. Plymouth ist die westlichste Stadt Englands streng genommen, denn auf der anderen Seite der Bucht und der Mündung des Tamar des militärisch und historisch bedeutsamen Hafens von Plymouth beginnt bereits Cornwall. Dies ist unzweifelhaft am Schild am Anlieger zu erkennen, wenn mensch mit der Fähre eben mal in die wunderschöne Parkanlage Mount Edgcumbe rüber fährt.

Die Parkanlage ist von der Grafschaft her „doppelt“, denn obwohl cornish, gehört sie wohl trotzdem zur Stadt Plymouth, die ja eigentlich Teil von Devon ist. Etwas kompliziert, aber hier verläuft die Grenze des Glaubensstreites, ob erst die Clotted Cream oder erst die Erdbeermarmelade auf die Scones kommt. Und diese Frage ist extremst wichtig und soll schon zu Schlägereien geführt haben.

Proper Scones, homemade strawberry jam und clotted cream.

Plymouth Gin ist eine geschützte Bezeichnung gewesen. Gewesen, denn es gibt mittlerweile nur noch die Black Friars Distille in Plymouth, die sich im Besitz des Getränkeriesen Pernod Ricard (u.a. Glenlivet, Jameson, Havana Club, Absolut, Beefeater Gin, Perrier, Mumm etc) befindet. Sie ist seit 225 Jahren existent und damit die älteste Gin-Distille des Vereinigten Königreichs.

Da Plymouth eines der Hauptzentren der Navy Ihrer jeweiligen Majestät ist war es Plymouth Gin, der als erster Gin um die Welt ging und so als einziger Gin in das Cocktail-Buch des Savoy zB einging. Für viele Barkeeper ist der Plymouth Gin DER prototypische Gin jenseits der London Dry-Schiene. Früher war es Standard der Royal Navy, daß jedes einzelne Schiff nach Stapellauf eine Holzkiste mit 2 Flaschen von diesem Gin (allerdings die ebenfalls erhältliche Fassstärke) und ein paar Gläsern geschenkt bekam.

Mit Getreide und Wasser aus dem Dartmoor, ebenfalls ein wunderbarer und wunderschöner Ort ganz in der Nähe von Plymouth,  wird hier ein ungehopftes Bier gebraut und dreifach gebrannt. Also wie beim irischen Whiskey bisher, der ebenfalls dreifach aus einem ungehopften Bier gebrannt wird. Aber beim Gin kommen die Botanicals ins Spiel. Und diese sind beim Plymouth Gin im Vergleich zu anderen Gins (zb dem Bruichladdich The Botanist) sehr überschaubar: die unvermeidliche Wacholderbeere (daher stammt der Name, siehe Artikel zum Bruichladdich zur Erklärung und Geschichte des Gin etc), Zitronenschale, Orangenschale, Schwertlilienwurzel , Angelikawurzel, Kardamonschoten und Koriandersamen. Diese werden mitdestilliert. Am Ende wird das Gesamtergebnis noch einmal destilliert und am Ende gefiltert.

Das Endprodukt dieses Vorgangs ist dann der Plymouth Gin. Mit 25 Euro für die normale Stärke mit 41,2% einer der günstigeren Mittelklasse-Gins.

Da ich in Sachen Gin/Genever recht jungfräulich bin war ich gespannt. Wie gesagt, Plymouth als Stadt ist mir nicht unbekannt und vor der Distille stand ich auch bereits schon. Daher war es logisch, den mal anzutesten. Plymouth hat übrigens den coolsten Eiswagen in dieser Galaxie:

Yours truly vor dem coolsten Eiswagen der Welt am Hafen von Plymouth

Teil 2: Disziplin 1: Pur

Nase: Süße Wacholder. Jo, isn Gin :D. Definitiv wacholderiger als der Bruichladdich The Botanist, der recht zahm in Sachen Wacholder ist oder aber dort die vielen anderen Botanicals den Wacholder überlagern. Zitrone, Orange, fruchtig. Bissl Grapefruit. Sehr angenehm. Kein stechender Alkohol (wobei das Trainigssache ist). Null aufdringlich. Toller Geruch. Kein Sprit.

Mund: Mandarine mit etwas Salz und Pfeffer und Kardamon? Abgefahren. Für einen Single Malt-Trinker wie mich sehr gut trinkbar. Dann kommt der Wacholder. Schmeckt definitiv echt gut, ohne fies zu werden, dabei sind die Botanicals definitiv kräftig. Trotzdem hat mensch nicht das Gefühl, ne Tanne zu lutschen wie bei billigen Gins.

Abgang: Schnell weg. Die Süße bleibt. Sehr smooth.

Fazit Pur: Tolles Zeug!

 
 

Teil 3: Disziplin 2: Gin Tonic

 
A proper Gin Tonic 😀

Ich hab zwar noch etwas Schweppes Dry Tonic und Thomas Henry da, aber für den Plymouth Gin wurde es ein Fentimans Traditional Tonic Water. Das englische Traditions-Tonic wird ebenfalls schon immer mit Botanicals hergestellt: Wacholderbeere, Kaffirlimettenblätter und Zitronengras. Perfekt. Wacholder trifft Wacholder mit Zitrus-Hilfstruppen. Supportet von Chinin, denn Gin Tonic ist das perfekte Mittel für die Malaria-Prophylaxe! No joke!

Trotz des recht sanften Mischverhältnis von 1:4,3 (6cl Gin auf 200ml Tonic) ergab sich hier der vielleicht süffigste, smootheste, süßeste aber trotzdem Gin-igste Gin Tonic, den ich bisher getrunken habe. Und obwohl ich in Sachen Gin pur nicht viel Erfahrung habe, in Sachen Gin Tonic sehr wohl ;). Schmeckt komplett unalkig und unsprittig, aber eben durch den Wacholder „krautig harzig“. Aber erfrischend lecker. Auch das Chinin geht ja schon selbst in die Richtung.

Großartige Kombi! Jetzt ist die Frage, ob er das mit nem billigen Tonic auch kann… Die Wahl des Tonics macht halt 50% des Geschmacks und der Qualität dieses Cocktail-Klassikers (auch Longdrings sind Cocktails) aus.

Btw, Rosmarin und Co sind zwar funky, aber eher Chichi. Keep it simple, stupid.

 
Fazit Gin Tonic: Großartig!

Teil 4: Disziplin 3: Dry Martini

Der Grindcore unter den Dry Martinis, da bleibt keine Leber trocken

(Remix teilweise aus dem The Botanist-Beitrag ;)) Für einen GUTEN Martini wird kein Martini genommen, da nehmen die meisten Barkeeper mindestens einen Noilly Prat, einen trockenen französischen Wermut-Wein. Seit 200 Jahren existiert diese Firma und sie war lange Zeit der größte Konkurrent zu Martini und durch ihre Vorreiterrolle im Export in die USA zB lange Zeit internationaler Marktführer noch vor Martini. Aber Ironie der Geschichte, vor 30 Jahren wurde Noilly Prat erst vom Martini-Konzern geschluckt und dieser dann wenige Jahre später von Bacardi. Die Geschäftsführung von Noilly Prat innerhalb des Bacardi-Konzerns ist aber immer noch in der Hand eines Ur-Ur-Ur-Ur-Enkels eines der beiden Gründer und somit immer noch familiengeführt. Er ist um einiges intensiver als zB ein Martini Dry, weshalb weniger Wermut in Cocktails oft reicht für einen Wermut-Geschmack.

Also haben wir mal schwupps 6cl Gin, 1cl Noilly Pratt, ein Fizzl Limettensaft zusammen mit Eis in den Shaker, lustig geschüttelt (nicht gerührt!) und dann ins Glas abgeseiht. Ohne Eis. Und eine Olive (aus Lake, nicht Öl!) durfte nicht fehlen.

Was ein trockener Kick in die Fresse… Muss mensch mögen. Ich mags. Harzig, krautig, die fruchtig-zitrushaften Noten des Plymouth Gin treten in den Hintergrund, Kardamon und Wacholder machen mit dem derb trockenen Wermut nen fröhlichen Moshpit auf. Definitiv ein hartes Kaliber und einer reicht echt vollkommen. Aber lecker. Mit dem Bruichladdich war es wild, ungestüm, Slayer. Aber mit dem Plymouth ist es härter, dreckiger. Irgendwo zwischen Gorgoroth und Napalm Death.

Fazit Dry Martini: Hart mit viel Power, aber grandios!
 

Teil 5: The Verdict 😀

Gesamtfazit: ein wunderbarer Gin, der vor allem mit dem Fentimans Tonic seine gesamte Stärke ausspielt. Da braucht kein Rosmarin oder anderer Bullshit rein, um einen der erfrischendsten Gin Tonics überhaupt zu ergeben. Aber auch pur ist er extrem lecker. Normalerweise trinke ich eigentlich nur Malts pur, aber hier zeigt auch Gin, daß es echt gut geht. Wobei ich bei Gin auch schon leckere Fassstärken pur hatte. Für 25 Euro ein absoluter Nobrainer. Das Leben ist einfach zu kurz, um billigen, beschissenen 6 Euro-Gin zu trinken. Das gleiche gilt natürlich erst recht für Malts. Der Plymouth ist toll, ziehe ich dem Botanist, der auch gut war, auf jeden Fall vor.
 
Btw hat mein G+-Kumpel Tomas diesen Gin vor 6 Jahren bereits in seinem Blog (Lese- und Subbefehl!) angetestet und kam zu anderen Ergebnissen. Aber nichts ist auch so subjektiv wie Geschmack (im wahrsten Sinne des Wortes) und Nase und Gaumen verändern sich vor allem mit dem Training. Wer seine damalige Einschätzung, damals noch im alten Design und ein ganzes Stück billiger (danke, Pernod…), lesen wil, der klicke mal auf diese unterstrichenen Lettern hier.

Bruichladdich The Botanist Dry Islay Gin – Test im Martini und Gin Tonic

Willi der 3., der Jenever-König

Es begab sich im Jahre des Herrn 1689, daß nach einigen Wirren Wilhelm III. von Oranien-Nassau  König Englands wurde. Als Holländer (auch wenn Nassau tatsächlich eher im Wald hinter Koblenz liegt) konnte er natürlich nicht auf seinen Genever verzichten. Zu der Zeit war der englische Spirituosen-Markt dominiert von französischen Produkten. Um dies zu beende, befreite er die Wacholder/Genever-Brennereien seines Königreiches von den Steuern, gleichzeitig erhob er immense Zölle auf die Einfuhr von französischem Branntwein. Der mittlerweile Gin abgekürzte Genever (Genever kommt vom lateinischen Juniper, also Wacholderbeere, logisch) wurde so in Großbritannien der günstigste verfügbare Schnaps mit hohem Alkoholgehalt. Das führte zwischen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts zu epidemieartigen Alkoholismus-Fluten in der britischen Gesellschaft, denn der doch recht dreckig gebrannte Gin war hart, rau und extrem hochprozentig. Da wurden die Fassstärken literweise getrunken. Mit allen sozialen Katastrophen, die daraus resultieren.

Ugly Betty, Foto von Ale Granholm, CC BY 2.0 Lizenz

Gin wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts allerdings ein wichtiger Träger der Cocktail-Kultur. Gin Tonic mit verschiedensten Kräutern, Gins und Tonic Waters sind eine Kunst. Genauso wie ein richtiger Martini, aber da kommen wir noch drauf. Und auch Schottland hat neben Whisky seinen Gin, zB den Hendricks. Anfang des 21. Jahrhunderts begann Gin, sich erneut zu emanzipieren als Qualitäts-Spirituose jenseits vom reinem Cocktail-Drink, auch pur wurde jetzt genossen. Daher hat vor einiger Zeit auch die von mir hochgeschätzte Destillerie Bruichladdich von der schottischen Insel Islay angefangen, einen Gin aus 22 lokalen Kräutern (sowie einem weiteren Dutzend importierter) zu brennen. Und das ganze in einer alten Distille namens Uggly (ja, mit 2g) Betty aus dem 2. Weltkrieg. Betty hat früher auch den großartigen, göttlichen Bruichladdich-Malt geboren, wurde aber jetzt für Gin reserviert.

Das neue Flaschendesign ist sehr schön, früher war das Design des The Botanist bemüht „funky modern“, jetzt ist es eine schöne runde Flasche, in deren Glas reliefartig die Botanicals zu lesen sind. Sie hat, wie es sich für eine ordentliche Spirituose gehört, einen Korken. Ja, ich stehe auf Korken und finde es manchmal einfach enttäuschend, wenn zB ein sehr guter Whisk(e)y im oberen Preissegment einen Schraubverschluss hat. Ja, sowas gibt’s. Abgefüllt wird der Botanist mit 46% Vol. Die verschiedenen 22 lokalen Botanicals zeigt Bruichladdich sehr schön auf der Botanist-Produktseite hier.

 
Gansloser Black Gin Distillers Cut

Ich muss dazu sagen, daß ich in Sachen Gin ein dreckiger N00b bin. Ich hab zwar in meinem Leben schon viel Gin Tonics getrunken, aber meistens nur mit eher normalen Gins. Beefeater, Bombay, Gordons und Co. Also nichts unbedingt großartiges. Doch in den letzten 2 Jahren bin ich immer mal wieder bei einem Gin Sul, Windspiel, Gansloser und anderen Gins gelandet. Aber fast immer mit den verschiedensten Tonic Waters und anderen Gewürzen, Früchten etc. die der geneigte Barprofi, der sich einfach besser auskennt, mir kredenzte. An einem schönen Silvester-Abend im Pegelhaus, eine von Koblenz angenehmsten Adressen zum guten Essen und Trinken, wurde mir im Rahmen eines Mehrgänge-Menüs am späteren Abend vom Cheffe ein Gin empfohlen, den ich auf jeden Fall mal pur probieren sollte. Da er wusste, daß ich ein Malthead bin, wollte er mal schauen, wie mir denn ein purer Gin schmeckt und wohl vor allem, ob ich ihn runterkriege. Das war ein Gansloser Distillers Cut. Eine Fassstärke. Leicht in der Küche angewärmt. Und was soll ich sagen: großartiges Aroma. Fassstärken mag ich ja eh und brauche da auch beim Malt meist kein Wasser. Gin kann also auch was ohne Tonic Water oder Wermuth.

Aber zurück zum Bruichladdich The Botanist. Als erstes habe ich ihn als Martini ausprobiert. Nicht pur. Einen richtigen Martini. Und der wird mit richtigem Wermut-Wein gemacht, nicht einem einfachen Martini Dry. Dafür nehmen die meisten Barkeeper mindestens einen Noilly Prat, einen trockenen französischen Wermut-Wein. Seit 200 Jahren existiert diese Firma und sie war lange Zeit der größte Konkurrent zu Martini und durch ihre Vorreiterrolle im Export in die USA zB lange Zeit internationaler Marktführer noch vor Martini. Aber Ironie der Geschichte, vor 30 Jahren wurde Noilly Prat erst vom Martini-Konzern geschluckt und dieser dann wenige Jahre später von Bacardi. Die Geschäftsführung von Noilly Prat innerhalb des Bacardi-Konzerns ist aber immer noch in der Hand eines Ur-Ur-Ur-Ur-Enkels eines der beiden Gründer und somit immer noch familiengeführt. Er ist um einiges intensiver wie zB ein Martini Dry, weshalb weniger Wermut in Cocktails oft reicht für einen Wermut-Geschmack.

Also haben wir mal schwupps

  • 6cl Gin
  • 1cl Noilly Pratt

 

Mein Martini 😀

zusammen mit Eis in den Shaker, lustig geschüttelt und dann ins Glas abgeseiht. Und eine Olive (aus Lake, nicht Öl!) durfte nicht fehlen. Das Ergebnis war phänomenal. Sowohl der Botanist, der von der Nase pur her schon ein sehr straighter Gin ist (Wacholder im Vordergrund, die Botanicals recht dezent, keine Süße) als auch der ultrastraighte Noilly Prat ergaben einen Drink, der alles andere als pflegeleicht war. Ein wilder, roher Martini ohne Kompromisse. Auf der einen Seite sehr rau, aber durchaus komplex. Vielleicht vielen zu rau, aber ich fand das bereits großartig. Beide Komponenten definitiv zu erschmecken und ein trockener Wermut ist aromatisch durchaus nicht so weit von Wacholder entfernt finde ich.

Danach habe ich noch 2 Gin Tonic probiert. Pur werde ich mir die Tage mal richtig Zeit nehmen. Daher wird sich der Artikel noch etwas verändern. Leider war momentan nur Schweppes Extra Dry Tonic Water zu kriegen, aber das ist eigentlich für diese Art Gin vollkommen in Ordnung. Und es war ebenfalls ein sehr kompromissloser Gin Tonic. Einige Gins sind ja durchaus süß. Der hier nicht. Daher ist der Gin Tonic auch genau das: Gin und Tonic. Lecker. Rau, aber lecker.

Für 29 Euro ist der The Botanist echt ein No Brainer!

Aber denkt immer an die weisen Worte des Paten der jüdischen Mafia im London der 20er Jahre, Alfie Salomon, aus den großartigen Peaky Blinders:

All right, the problem right betweeen rum and gin is that gin, it leads to the melancholy, whereas rum incites violence and it also allows you to be liberated from the self doubt. Right here, you are probably more in need of the old rum.“ 

Huawei Mate 10 Pro Schlaufernsprecher – A new Generation

Disclaimer: Dies ist kein Review in dem Sinne, sondern nur der Ersteindruck nach 3 Tagen Huawei Mate 10 Pro. Und auch mal was, was NICHT mit Schnaps zu tun hat ;). Alles natürlich subjektiv und nur auf meine spezielle Anwendungssituation gemünzt. WORK IN PROGRESS! 

Epilog – Eine düstere Geschichte

LG G4-Gorillas im Risse-Nebel…

Morgens, Viertel vor Sechs, irgendwo auf einem Parkplatz vor irgendeinem Büro. Herr K., voller Elan am frühen Morgen (oder auch nicht) schwingt sich aus seinem Auto. Durch die unglaubliche Energie von Herrn K. fliegt sein trusty LG G4 im hohen Bogen aus der Jackentasche, mehrere Meter graziös durch die Luft, dreht dabei lustvoll Pirouetten und Salti und landet dann auf dem groben Waschbeton des Parkplatzes.

Das die Dunkelheit durchbrechende Splittern und Knirschen verheißt nichts gutes. Ein Blick und die dunkle Vorahnung wird Gewissheit. Das G4 hat, wie die Jugend heute sagt, ne Spider-App installiert. Das Gorilla-Glas ist mehrfach gerissen. Das Display da drunter scheint aber OK zu sein. Ein böses Deja Vu, denn das gleiche passierte 2 Jahre zuvor auch mit dem LG G2 des so schwungvollen Herrn K. Auf demselben Parkplatz. Zur selben Uhrzeit.

Smarton, der Gott der Schlaufernsprecher, forderte erneut ein Opfer in seiner Blut, äh, Gorilla-Glasgier und seiner Gnadenlosigkeit. Und er forderte von Herrn K., eine Entscheidung zu treffen.

 

Die Qual der Wahl

LG V30 oder Huawei Mate 10 Pro, das war hier die Frage.

Hmm,  sollte Herr K. einen Glas- und Rahmen-Austausch vornehmen? Ne, kein Bock. Sollte Herr K. nach einem neuen Handy schauen? Ja, Bock! Nur welches?  Nochmal LG? Ein G6? Hmm, sehr gutes Teil. Aber zum wiederholten Mal nur ein Update, wo bleibt da der Spaß, die Neuerung, das Frische im Leben? Ein V30? Oh ja, tempting. Zwar auch nur das Ultra-Upgrade, aber ein tolles Telefon. Da mein Vertrag auch eh passenderweise auslief, habe ich mal bei meinem Provider auf die Tränendrüse gedrückt. Also habe ich den alten Vertrag erst einmal pro forma fristgerecht gekündigt. Mein Provider, bzw der erste junge Mann aus dem Callcenter weinte dann schockiert „Buhuuuuu, nach so vielen Jahren? Wollen Sie nicht doch bleiben? Wollen Sie ein neues Telefon?“. Yes! Aber der junge Mann hatte wohl nicht mehr soviele Abschriften für Spezial-Deals die Woche im Budgen, denn zu dem Zeitpunkt waren da die Deals nicht so überzeugend. Ein V30 oder das alternativ in Frage kommende Huawei Mate 10 Pro (Samsung kann ich nicht so leiden) waren bei meiner ersten Akquise meinerseits doch recht teuer. Vergleichsangeboten meines Heim-Kabelinternet-Providers waren günstiger. Der junge Mann meinte nur entrüstet auf meine Anfrage „Ja, das Telefon kostet doch fast 700 Euro, verschenken können wir das nicht!“.  Daher habe ich erstmal abgelehnt und meine Kündigung bestätigt. Aber diese Mobilfunk-Schlepper sind ja hartnäckig. Es kamen dann „Bitte bleib bei uns!“-Mails, Nachrichten im Webportal und dann wieder ein Anruf. Diesmal eine junge Dame. Ich erklärte ihr, ich würde ja gerne bleiben, aber die Angebote sind nicht so der Knaller. Die junge Dame meinte dann nur „Ach, da kann ich was machen!“ und fragte erneut nach der gewünschten Hardware.

Das V30 war mir immer noch etwas zu teuer, aber mein ebenfalls favorisiertes Huawei Mate 10 Pro war mit zusätzlicher Rabattierung auf einmal schon ein Schnäpperken. Neupreis liegt komplett so bei 750 Tacken. Mit Vertrag, im Vergleich zu dem alten (die Konditionen vor 2 Jahren waren für einen 5 GByte AllFlat-LTE-Vertrag noch nicht so gut wie heute) Vertrag nur wenige Euro mehr. Soso, auf einmal ging es. Ich hab selbs ja lange im Fachhandel für Hard- und Software gearbeitet, bin immer noch ITler, und ich gehe mal davon aus, daß es für das Mate Pro mittlerweile eine Aktion gab, sodaß die einzelnen Call Center-Verticker gewissen Spielraum haben, bis eine gewisse Summe für Abschriften erreicht ist. Der neue Deal hatte sich doch durchaus spürbar in der Höhe der monatlichen Gebühren von dem gleichen Deal 2 Wochen vorher vom Kollegen unterschieden. Nach unten. Und die junge Dame hat mir noch für lau ein kleines Huawei Mediapad T7 beigepackt, welches eigentlich nur als Dreingabe für Neukunden gilt. OK, brauche ich nicht unbedingt, aber da das alte Nexus 7 kaputt ist und das Fire HD-Tablet eigentlich nur als Media-Player für die Teufel Raumfeld-Multiroom-Anlage benutzt wird (dafür musste erstmal das Amazon-Krüppel-Android befreit werden…) nehme ich es doch gerne. Kost ja nix!

Also her damit! Werden wir Mitglied der chinesischen Volksarmee! In Blau! Weil bunte Telefone rocken. Schon nach 2 Werktagen klingelte es an der Haustür. Aber niemand öffnete dem armen DHL-Mann. Weil nämlich normale Menschen arbeiten gehen, wenn der Postmann zweimal klingelt. Also hat Herr K. am nächsten Tag Abends nach der Arbeit den Schlaufernsprecher in der DHL-Filiale abgeholt, die nur 200m von unserem Haus entfernt ist. Ausgepackt. Bewundert. Edel edel. Die Rückseite ist aus Glas. Eigentlich ist bis auf den edel gefertigten Alurahmen alles aus Glas. Daher vorher noch ein dickes, stabiles Case gekauft, weil gebranntes Kind , Feuer und so ;). In der Packung liegt aber bereits ein transparenter Silikon-Bumper direkt dabei, was für weniger Paranoide wohl vollkommen ausreicht. Display-Schutzfolie ist ebenfalls bereits drauf. 

 

Ersteindruck

Angeschaltet. Gestaunt. Das OLED-Display des Mate 10 Pro hat zwar nur 1.080 x 2.160 Pixel im Gegensatz zu den QuadHD 2.560×1440 des LG G4, letzteres aber ein klassisches IPS, kein OLED. Die 6 Zoll Größe wirkt kaum größer wie die 5,5 Zoll des LG G4. Ein Phablet ist das noch nicht für mich, aber da ich seit Jahren diese 5,5″ Monster benutze und zB alle 5″er für Zwerge halte bin ich da verdorben. Der „kleine“ Eindruck hat aber auch einen Grund. Das Mate hat an den Seiten wirklich fast keinen Rand mehr, dabei war das LG für seine damalige Zeit 2015/16 schon sehr „bevel-frei“. Außerdem hat es einen anderen Seitenfaktor: 18 zu 9, was normalerweise 2 zu 1 wäre für nicht Marketing-Menschen :D, aber anscheinend glauben eben jene Marketing-Menschen, daß 18:9 viel cooler klänge als 2:1. Durch dieses Seitenverhältnis ist es (was für die Handhabung am wichtigsten ist) so breit ungefähr wie das 5,5er LG G4, aber von der Länge her nen ganzes Stück länger. Sehr schön.

Auch ohne Hülle liegt es smooth in der Hand. Vielleicht zu smooth? Glas halt. Aber dieses anschmiegsame Gefühl werden zumindest wir nicht erleben, denn wir wollen ja, daß das Telefon lange lebt. Also zumindest 2 Jahre ;). Auf der Rückseite lächeln uns die 2 Dual Leica-Kameras mit einer unglaublichen Blende von f1.6 an. Ein Monochrom-Sensor mit 20 Megapixel, einen Farb-Sensor mit 12. Intern werden dann Bilder mit bis zu 20 Megapixel zusammen gebaut. Aber da kommen wir nachher noch zu. Insgesamt flasht mich immer noch das OLED. Das ist schon eine andere Welt, was Brillianz und Farben angeht. Selbst wenn ein IPS drölfzig ppi mehr hat, es wirkt eben nicht so gut auf mich.

Der Fingerabdruck-Sensor liegt auf der Rückseite. Sehr schön. Die LGs, die ich vorher hatte (G2 und G4) hatten ja alle ihre Knöpfe auf der Rückseite, Back Button ist einfach eine geniale Sache. Und der Fingerabdruck-Sensor ersetzt diesen perfekt, da er an derselben Stelle ist. Keine Umgewöhnung :D. In nur 0,3 Sekunden ist das Telefon erwacht. Ein Button ist nicht fixer.

Nach dem Einschalten rödelt es natürlich erstmal, zieht Updates und dann war es auch bereit. Wenig Bloatware. Bis auf Huaweis Apps für die EMUI-Themes (der Launcher von Huawei, der gar nicht so schlecht ist) nur Booking.com (nutze ich eh oft) und Facebook (gleich deinstalliert, fick dich Zuckerberg, keine Chance der Hatemachine, braucht keine Sau, mögen deine Server zu Asche werden außer Instagram ;)) drauf sowie Amazon Video Prime, was ich aber eh nutze. Und ansonsten eigentlich recht clean. Ich bin überrascht. Positiv. Alles fühlt sich sehr schwuppig und fix und geölt an.

 

Die zwei Augen des Mates

In Kooperation mit Leica hat das Mate 10 Pro eine Dual Kamera. Einen Sensor mit 20 Megapixel Monochrom, einen Sensor mit 12 Megapixel RGB. Klingt komisch? Ist es eigentlich nicht. So funktioniert nämlich auch das menschliche Auge. Die Stäbchen sind monochrom, sorgen für Sicht bei widrigeren Umständen sowie Kontrast und Schärfe. Die Zapfen im Auge erledigen die anderen Informationen. Das Gehirn „rendert“ ein farbiges detailliertes Bild daraus.

Insgesamt macht die Kamera des Mates einen großartigen Eindruck. Die Dual Leica eh, aber auch die “Selfie” Cam vorne mit 8 Megapixeln. Die Software hat natürlich auch nen “Pro-Mode”, sprich manuellen Mode für ISO, Belichtungszeiten etc. Aber auch einige vorgefertigte Programme. HDR (nicht default an), Panoramen, Food, ach, massig. Der geneigte Leser möge sich ein paar Reviews nur zur Kamera anschauen, denn da gibts einige. Weil die Kamera eben so verdammt gut ist und auf hohem Niveau mitspielt. (Pseudo)RAW aka DNG macht sie natürlich auch. Dann ist natürlich die Rauschunterdrückung bei hohen ISO-Werten Essig, das ist dann Handarbeit in Lightroom oder Capture One oder eben am Telefon, zB in Snapseed. Aber das ist ja normal und soll so. Die im Mate enthaltene NPU (ein KI-Co-Prozessor) erkennt einige Motive und stellt dann die Progamme ein. Bin ich eigentlich kein Fan von, das funzt auch eher nur so wie zB die “Überlegene Automatik” meiner Sony DSLR. Brauch ich nicht. Für den Gelegenheitsknipser aber bestimmt ne geile Sache. Ich bin ein Manual Mode-Mensch und brauche ISO und Co. Gewohnheit. Ich fotografiere halt gerne, auch als Google Local Guide oder für Instagram. Daher war mir eine gute Kamera auch wichtig. Fotos, die ich mit dem Telefon gemacht habe, werde ich in einem Google Photo-Album hier nachreichen. Bei Schneeregen über die Tage dieses Reviews macht es keinen Sinn, viele Fotos zu machen. 

Der Sensor ist anscheinend ein 1/2,9″-Sensor. Die Brennweite der Optik liegt bei 27mm auf Kleinbild gerechnet, real bei 3,95mm. Daher lässt sich der Cropfaktor berechnen, der liegt dann bei ca. 6,8. Der Sensor hat eine unglaubliche Blende von f1.6. Das ist für einen Schlaufernsprecher unglaublich gut, wobei schon mein LG G4 f1.8 hatte und großartige Fotos macht (macht es übrigens immer noch), denn das hat LG ebenfalls drauf. Manche werden jetzt sagen, „Wow, f1.6! Das ist ja mehr wie meine 1.8er Festbrennweite oder gar mein teures 2.8er Zoom an der DSLR!“. Ich erwähnte den Crop-Faktor? 😉 f1.6 der Telefon-Optik umgerechnet auf eine Vollformat-DSLR der Oberliga entspricht eine Blende von 11. Auf zB meine Sony DSLR mit APS-C-Sensor entspricht das umgerechnet Blende 16. Aber natürlich ist das insgesamt noch echt gut und im Telefonbereich Oberklasse. Eine DSLR hat halt immer noch Vorteile. Großer Sensor, mehr Licht, logisch. Um zum Beispiel die f1.8 meiner Festbrennweiten meiner DSLR mit diesem Telefon zu erreichen (die streng genommen da APS-C ja f2.7 auf einem Vollformat-Kleinbildsensor wären) müsste die Optik eine reale Blende von f0.4 erreichen! Und das ist momentan utopisch. Aber ich wette, daß wir in fünf Jahren mindestens bei f1.0 angelangt sind bei Smartphone-Sensoren. Definitiv.

Die Kamera-Software im manuellen „Pro“-Modus
Die verschiedenen Auto-Programme der Kamera-Software

Natürlich hat die Kamera auch softwareseitig die Features, die momentan bei Top-Smartphones angesagt sind. Bokeh (Hintergrundunschärfe), Portraitmodi etc. Bokeh wird entweder per Software unterstüzt oder aber kommt natürlich bei f1.6. Wer mit dem Begriff gar nichts anfangen kann, Bokeh ist der Effekt, den besonders Spiegelreflex-Optiken drauf haben, daß das Motiv scharf im Vordergrund herausgestellt ist und der Hintergrund hübsch unscharf wird und Lichter hübsche Flecken/Sterne bilden etc. Im Fotobereich gibt es bei Reviews von Objektiven, die das sehr gut können (hat mit der Konstruktion und Anzahl der Blendenlamellen und mehr zu tun zB) sogar den Begriff „Bokeh-Porn“ für besonders schönes Bokeh. Funktioniert alles sehr gut, wobei die Portraitmodi Haut arg glattbügeln. Das geht beeindruckend schnell und solide, unter Photoshop braucht es dafür noch PlugIns wie Portrait Pro und andere. Und mehr Handarbeit. Das ganze in fast Echtzeit ist auf modernen Telefonen schon ein Zeichen für solide Software-Entwicklung. Was wohl möglich wäre, wenn EBV-Software bzw deren PlugIns moderne Grafikkarten und ihre OpenCL-Beschleunigung ordentlich ausnützen würden…

Im übrigen hat die Kamera auch einen verlustfreien 2x Zoom. Ohne Optik? Wie das geht? Natürlich nur wenn auf 12 Megapixel eingestellt. Das ist die Anzahl der Megapixel auf dem RGB-Sensor. Der Monochrom-Sensor hat wie gesagt 20. Der sorgt für Details, Tiefe, Schärfe. Und da bleibt ja was übrig. Wenn also die 20 Megapixel des Monochrom-Sensors benutzt werden, das ganze halb gecroppt wird, was ja einen Zoom darstellt und die Farb-Infos des 12er draufkommen, dann ist ein fast verlustfreier 2x Digitalzoom möglich. Getrickst, aber funktioniert. Ich persönlich aber fotografiere bisher mit 20 Megapixel. Croppen kann ich auch nachher noch. Für richtige Fotos mit Zoom hab ich ne DSLR und dank APS-C-Crop 300mm und 450mm.

Video? Geschenkt. Mach ich selten. Hier zeigt die tolle Cam aber auch Schwächen. In 4k gibts keine Bildstabilisierung mehr. WTF? Das ist wohl nur Software-Sache, denn der Sensor hat es ja eingebaut. Huawei sollte die Videofunktion unbedingt nachpatchen. Aber, op plattdütsk, brouk wey net.

Zur Kamera sei der sehr detaillierte Test von DXO empfohlen. DXO sind primär bekannt für professionelleFotosoftware wie den RAW-Entwickler DXO Photo Lab (früher Optics) sowie die Übernahme der Photoshop-PlugIns Nikk Tools von Google. Unter der Seite DXOmark werden hier Kameras jedweder Art professionell seziert. Für das Huawei Mate 10 Pro siehe https://www.dxomark.com/huawei-mate-10-pro-oustanding-still-image-performance/ . Das M10Pro ist hier zusammen mit dem IFön X auf dem 2. Platz mit 97 Punkten, nur einen Punkt vor dem Spitzenreiter Google Pixel 2 mit 98 Punkten.

 

Die Leistung

Die ersten Ergebnisse des neuen Antutu V7-Benchmarks

Das Ding hat ACHT Kerne! Mittlerweile ist das wirklich erstaunlich. Wenn ich da schaue, daß mein auch schon etwas betagter Rechner daheim mit seinem Xeon-Prozessor 4 Kerne mit HT, also insgesamt 8 logische Prozessoren hat, aber ein riesiger Trümmer ist… 4 Cortex A73 mit 2,36 GHz plus 4 Cortex A53 mit 1,8 GHz, zusammen mit einem Co-Prozessor für neuronale Berechnungen. Das ganze mit einer Mali G72-MP12 GPU gekoppelt. Nicht schlecht. Kann auf jeden Fall in der oberen Liga mitspielen. Und immer bedenken: der Schlaufernsprecher hier kostet nur etwas über 700 Tacken, nicht 1000 oder gar 1300 wie andere Top-Föne. Und das ganze wird gepuffert von 6 GByte RAM. Viele haben in ihrem Desktop kaum mehr.

Also mal den Antutu angeworfen. Leider gibts noch keine Liste für den 7er zum Vergleichen, aber beim ersten Test erreicht das Gerät trotz Energiemanagement-Optionen 209.xxx Punkte. Im 6er Antutu erreicht es 177341 Punkte. Zum Vergleich, ein LG V30 macht hier 173749 Punkte, ein Galaxy Note 8 173997 Punkte, ein HTC U11 175032 Punkte. Das OnePlus 5 liegt mit 177156 nur ultraknapp hinter dem Mate 10 Pro. Noch irgendwelche Fragen?

Die GPU alleine liegt zB im 3DMark allerdings etwas zurück im Vergleich zu einem U11, aber ist immer noch 10% schneller als ein Galaxy Note 8. Bei der reinen Physiksimulation wiederum überflügelt es sogar das U11, sodaß das Gesamtbild wieder ausgewogen ist. Sprich, die GPU des Mate 10 Pro ist pfeilschnell, in einigen Disziplinen aber gibt es schnellere. Trotzdem spielt es in der Topliga mit.

Auch der Blick über den Tellerrand der Androiden ist interessant. Ein iPhone 8 Plus oder gar ein iPhone X ist teilweise schlechter ausgestattet, aber doch in manchen, nicht allen Benchmarks etwas fixer und die Video-Funktion ist besser. Aber hier werden 400 bis 600 Euro MEHR fällig! Und das ist wieder geisteskrank. Aber das gehört bei der Cuppertino-Sekte ja dazu…

 

Die Anschlüsse

“Mimimi, das hat ja keine kleine Klinke mehr” weinen sie allesamt. Ja, aber es liegt ein Adapter von USB Typ C auf Klinke dabei, liebe Leute. Dafür ist es wasserdicht. „Ich will aber mein Telefon als Zuspieler an meine teure Anlage mit teuren Boxen anschließen“. Ah ja… Audiophiles Erlebnis mit nem ollen analogen Klinke auf Cinch-Kabel oder was? Sicher, sicher… 

Und es hat Bluetooth. Das wurde bereits ausgiebig getestet im Auto (Ford Sync) und lief ohne Probleme und ohne einen Abbruch. Die ersten Modelle vom Herbst mit alter Software waren da wohl etwas anfälliger. Auch das Inhome-Streaming auf unser WLAN-Multiroom-Soundsystem (mehrere verschiedene Teufel-Raumfeld-Systeme auf vier Räume verteilt) funktionierte bestens. BT5 hat es nicht, aber da gibts ja nicht mal Endgeräte für (vielleicht doch mittlerweile, aber selten). BT4.2 reicht vollkommen. Im übrigen kann via Typ C auf HDMI-Adapter das Telefon auch am Fernseher oder Monitor angeschlossen werden und bietet eine Art “Desktop Mode” wie bei Samsung. Da kann dann Maus und Tastatur via Bluetooth ans Telefon gekoppelt werden und jeder kann sich an nem Schmalspur-Desktop-PC erfreuen. OK, nette Idee. Für mich aber uninteressant.

Ach ja, das Telefon hat DUAL SIM. Eines der wenigen Telefone, welches auf beiden SIMs LTE kann. Aber brauche ich nicht. Für viele Leute, die ihre Business-SIM gleichzeitig im Telefon haben, aber wichtig. Dafür ist dann der MicroSD-Slot weggefallen. Aber bei 128 Gbyte braucht den ebenfalls keine Sau. Meine Fotos wandern eh direkt immer in die Google Cloud.

 

Der Akku

Akkuverbrauch nach über 24 Stunden

Natürlich ist dieser leider fest verlötet. Muss mensch sich mit abfinden mittlerweile. Hier spielt allerdings auch die Wasserdichtigkeit des Gerätes mit rein. Wäre es leicht zu öffnen, wäre es nicht wasserdicht. Aber mit unglaublichen 4000mAh bietet der Akku eine erstaunlich hohe Kapazität, ein wahnsinniger Wert angesichts der „Flachheit“ des Gerätes. Und Dank des OLEDs ist das „Wahwäh“, wie es korrekt ausgesprochen wird, laut der Fachpresse momentan das Telefon mit dem längsten Atem, welches auch mal länger als 24 Stunden durchhält. Noch scheint es durchaus zu klappen. Es gibt auch mehrere Stromsparmodi, welche die Zeit auf bis zu 3 Tage hinauf schrauben. Nach dem ersten Tag waren es nach 14 Stunden, dabei 2 Stunden Bluetooth und GPS im Auto, Always On-Display, ständiger Gebrauch zwischendurch, noch 49%. Nach weiteren 2 Stunden intensiven Gebrauchs (Surfen, Videos etc) noch 36%. Nicht schlecht.

Dann habe ich die automatische Abschalt- und Anschalt-Timerfunktion ausprobiert. Von 23 Uhr bis 5 Uhr war das Handy automatisch herunter gefahren. Ja, das geht. Funky. Und funktioniert. Und um kurz nach Fünf klingelte der Wecker. Natürlich immer noch bei 36%. Nach weiteren 3,5 Stunden, dabei wieder 45 Minuten Autofahrt mit GPS und Bluetooth-Audio, zeigte der Akkustand immer noch 31%. Der Akku hält also locker über einen Tag, mit Tricks noch länger. Nach einem Tag und 6 Stunden gibt er noch 18% an, angeblich 7 Stunden bei gleicher Nutzung. Ich bin beeindruckt. Bei 10% hab ich es dann mal an den Strom gehängt und dank Quickcharge war es nach 1 1/2 Stunden wieder proppevoll.

Update nach einer Woche Nutzung: Mit Nutzung der „Schlaffunktion“ bringt mich der Akku über fast 2 Tage. Mit Videos, Bluetooth, Streaming, Rumgesurfe etc. Wenn ich an Tag 1 morgens um 5 Uhr vom Stecker ziehe, habe ich Abends an Tag 2 noch genug Reserven, sodaß ich erst an diesem Abend nachts an das Ladegerät muss. Großartig!

 

 

Die Software

EMUI Startbildschirm, protected by Merlina 😉

Auf dem Mate 10 Pro läuft natürlich Android 8. Also aktuell. Da drüber stülpt der Hersteller dann Huaweis eigenen EMUI-Launcher in der Version 8. Die letzten Jahre bin ich ja bei den alten Telefonen sowohl auf Stock LG-ROMs gewesen sowie auf Custom ROMs, welche aber auch auf dem LG-Launcher UX und Stock ROM beruhten (Cloudy und Co). Daneben auch auf Cyanogen/Lineage sowie Google nackig Vanilla auf Nexus-Geräten. Und EMUI ist nicht hässlicher. Koreaner mögen es halt noch bunter, EMUI ist da etwas konservativer. Allerdings muss der App-Drawer (ohne geht gar nicht) in den Einstellungen erst aktiviert werden. Genauso wie das Allways On-Display, welches sich Software-seitig unter dem Punkt „Sicherheit und Datenschutz“ versteckt. Aber ist alles einstellbar. Wenig Bloatware, aber das hatte ich ja bereits erwähnt. Updates werden für mindestens 2 Jahre in Aussicht gestellt und auch Android 9 P (welche Süßigkeit das wird erfahren wir im Sommer, Peppermint, Pie, was auch immer) wird kommen. Aber das dauert ja alles noch. Das LG G4 zB ist in Deutschland auf ewig auf Android 6 festgefahren. Android 7 gabs nur im Ausland für das G4. Deutsche Kunden werden anscheinend öfter mal stiefmütterlich behandelt. Danke Merkel! 😉

Witzige Features wie die Knuckle-Codes versüßen die Bedienung. Das Telefon unterscheidet Eingaben via Finger und via Fingerknöchel. So löst ein Tippen mit dem Fingerknöchel Screenshots aus. Funky. Aber es gibt noch viel mehr Knuckle-Codes. Auch weitere Funktionen, die aber mittlerweile Standard sind, wie Annahme und Ablehnung von Telefonaten und andere Dinge via Bewegung des Telefons dank Gyrosensor, funktionieren. Huawei hat auch einen eigenen Sprach-Assistenten, der parallel zu Tante Googles „OK Google“ aufgerufen werden kann, aber ich hab noch nicht mit Amy, wie sie heißt, gesprochen. Sprachinterfaces find ich einfach nicht so toll, geht mir auch bei Alexa & Co nicht anders. Soll aber sehr gut klappen.

Alternative

Klar, ein Honor 10 ist die günstigere Alternative. Der kleine Bruder hat für etwas mehr als die Hälfte des Preises viele Features, aber eben nicht alle, des großen Bruders. Und das wichtigste war mir eigentlich die Cam für gute Fotos sowie der Akku.

Erfahrungen & Fazit

Das ganze Telefon ist schnell. Die Kamera ist schnell. Klasse Bilder. Das OLED gefällt mir. Alles in allem ein großartiger Schlaufernsprecher. Noch die Videofunktion verbessern (auch wenn ich sie wie gesagt nicht brauche) und schon wäre ich wunschlos glücklich. Der Akku ist auch nicht übel. Wobei ich in dem G4 einen 7500mah-Akku drin hatte (das ging da ja noch mit dem auswechselbaren Akku), das hielt ewig. Weitere Erfahrungen wird allerdings erst die Zeit bringen, ich werde hier Updates dann einschieben, falls sich irgendetwas gravierend ändert. Nach wenigen Tagen bin ich immer noch begeistert.

 

 

Die technischen Daten in allen Details findet ihr auf der zugehörigen Huawei-Produktseite. <= ditte isn Link, Keule 😉

Kurz-Review Baltic Stout Rügener Inselbrauerei

Den meisten Menschen mit offenen Augen und Hang zu außergewöhnlichen Bieren sind die im Einzelhandel gut platzierten Biere der Rügener Inselbrauerei bestimmt schon aufgefallen. In ansprechenden, in Papier gehüllten Flaschen, das ganze dann in schicken Holzkisten, erhältlich in 0,33l und 0,75l. Der Werbeslogan „Expedition ins Bierreich“ ist ebenfalls ansprechend, ich finde ihn irre witzig :D. Im Hopfenhelden-Craftbeer-Onlinemagazin findet sich ein gutes Portrait der Brauerei, daher brauche ich da wenig zu schreiben. Nur soviel, das Mastermind der Rügener Inselbrauerei ist Markus Berberich, der schon als Braumeister der Stralsunder Brauerei „nebenan“ mit den Störtebeker-Bieren eine Nische hochwertiger, interessanter und guter Biere besetzt hat und diese Brauerei aus der Krise führte. Sein neues, eigenes Projekt Rügener Inselbrauerei hat auf den letzten World Beer Awards brutalst Preise abgeräumt. Läuft :D.

Stout kennen die meisten Menschen eher als Guinness oder Murphys oder vielleicht auch mal ein Samuel Adams oder Youngs. Eher aber die erstgenannten beiden, denn Stouts sind die wohl bekanntesten Vertreter irischer Biertradition. Streng genommen müssten diese Biere „Stout Porter“ heißen, starke Porter. Porter haben ihren Namen von den „Porters“, den Lastenträgern in den Häfen der Britischen Inseln. Aber da kommen wir nachher noch einmal zu.

Das „Baltic Stout“ (denn sowohl Porter als auch Stouts, vor allem Imperial Stouts, waren im Ostsee-Bereich (Baltic Sea) immer sehr angesagt seit Jahrhunderten) hat eine ansprechende Präsentation. Sehr schöne Flasche. Im Glas ist es tiefschwarz. Die Krone ist cremig, wenn auch nicht so cremig wie zB einem irischen Standard-Stout.

Der Geruch ist recht frisch. Frischer wie ein Insel-Stout. Der Hopfen, der sonst sehr mild und gegen die dominante Malz-Note bei Stouts kaum durchkommt, ist hier präsent. Fast schon „ale-ig“. Die Malz-Note ist auch etwas anders. Es riecht auch würziger, leicht in Richtung Lakritz. Angenehm. Erinnert mich aber eher an manche Porters, wobei wir ja geklärt haben, daß Stouts allesamt zur Familie der Porters gehören :D.

Im Geschmack durch den Hopfen sehr frisch. Normalerweise hat Stout einen Alkoholgehalt von UNTER 5%, denn die Leichtigkeit und Süffigkeit steigt bei Stouts mit Senkung des Alkoholgehalts. Daher haben die irischen Fassbiere einen geringeren Alkoholgehalt als die Extra Stouts für den Export. Dieses hier hat aber 7,5%. Das schmeckt mensch aber nicht. Neben Kaffee, dunkler Schokolade und dann definitiv etwas Lakritz ist schon eine schöne Frische vorhanden. Lecker.

Der Abgang ist smooth, aber trotzdem würzig. Sehr bekömmlich. Trotz des Alkoholgehaltes überwiegt die Frische. Gut.

Insgesamt hat dieses Bier Lust auf eine weitere Expedition ins Bierreich des Herrn Berberich gemacht. Da stimmt Handwerk, sowohl in Sachen Braukunst als auch Präsentation. Auch wenn der Preis im (allerdings für Craftbeer eigentlich normalem) mittleren Bereich liegt. Qualität hat halt ihren Preis. Und der geht wirklich noch, 3 Euro die kleine Buddel sind vollkommen OK. Das kostet mich auch eines meiner geliebten Insel-Ales, oft sogar mehr. Daher kein „Con“. Insgesamt ist dieses Exemplar aus dem Bierreich ein Top-Bier!

 

Kurz-Review Pilger Paderborner Landbier

Anmerkung: Ja, klar, sonst sind hier normalerweise recht teure Whiskies und teure Biere Thema, und das Paderborner ist ein „Billig-Bier“, aber als jemand, der in PB geboren ist und dort die ersten 32 Jahre seines Lebens verbrachte (also im Kreis PB) muss auch dieses Bier sein :D:

Ungefilterte Biere, seien es die Zwickels bzw. Kellerbiere oder die Landbiere, sind schwer im Trend. Der deutsche Konsument hat anscheinend einfach keinen Bock mehr auf Industrie-Pils. Was vor 130 Jahren noch eine Revolution war und vom rein brautechnischen her eine saubere Lösung, im wahrsten Sinne des Wortes, wurde zum langweiligen Geschmacks-Mainstream. Gefiltertes, untergäriges klares Pils. Auch regionale Spezialitäten, auch die obergärigen, hatten keine Chance. Und so wurden die meisten großen Player im Bier-Markt irgendwann fast beliebig. Teilweise gibt es noch regionale Geschmacksbesonderheiten, wie zB die frischeren Nordlichter a la Jever, Becks, Astra und Co, aber gegen Veltins, Warsteiner, Herforder und Co war kaum anzustinken. Oder gar Bitburger, welches ich persönlich (rein subjektiver Geschmack, andere mögen es anscheinend) für eines der schlimmst schmeckenden Industrie-Plörren überhaupt halte.

Manche Marken hatten schon länger auch andere Biere im Sortiment. Vor allem die bereits erwähnten Kellerbiere, auch Zwickel genannt, wären hier ein Beispiel. Dies sind ungefilterte Biere, meist untergärig, aber auch obergärig, je nach Gusto. Dann gibts halt noch die „Landbiere“. Keine wirklich definierte Art von Bier, aber am ehesten mit dem Kellerbier vergleichbar. Ungefilterte Exports, das wäre wohl am passendsten. Ungefilterte Biere sind übrigens wegen der noch vorhandenen Schwebstoffe rein nahrungstechnisch vollwertigere Biere mit mehr „Gehalt“. Von den großen Playern wäre in jüngster Zeit das Veltins Grevensteiner ein Exemplar dieser Gattung.

Aber zurück zum Paderborner Pilger. Regional gibt es dort seit einigen Jahren aus dem benachbarten Lipper Land das Detmolder Landbier der Detmolder Brauerei. Aber auch seit ca. 10 Jahren das Hövelhofer der Detmolder Brauerei, ebenfalls ein Landbier. Ironischerweise liegt Hövelhof im Kreis Paderborn, aber die Juniorchefin der Detmolder lebt nicht in Lippe, sondern eben in Hövelhof ;).  Paderborner, selbst ein Teil der Warsteiner-Gruppe, ist ja eher bekannt für ihr überall für wenig Geld zu habendes Dosen- und Flaschen-Pils. Tausende Bettel-Punks und Marktplatz-Säufer können nicht irren… Das Pils selbst ist schon OK, allerdings ist das Export (an den blauen Kronkorken zu erkennen) doch schon um einiges besser. Liebevoll „Blauhelme“ genannt in meinem Freundeskreis. Für die Gastronomie gibt es eh das „Paderborner Gold“, welches wiederum in die Richtung Warsteiner-Krombacher-Veltins geht imho.

Jetzt, dem Trend folgend, gibt es von Paderborner das „Pilger“. Eben ein ungefiltertes Landbier. Also wohl ein ungefiltertes Export ;). Ein sehr guter Kumpel aus der alten Heimat (ich komm da wech aus OWL) war so nett und hat mir zum Geburtstag ein paar Dosen Pilger geschickt ins rheinländische Exil :D. Danke Sven! Sven gehört übrigens ebenfalls zum Blauhelm-Fanclub :D. Seine News-Übersicht-Seite Neues vom Tage sei hier auch mal empfohlen.

Also schwups mal eine gekühlte Dose aufgemacht.

Das Design der Dose, naja, Paderborner und Design sind zwei Paar Schuhe, schon immer. Das muss wohl etwas trashig und cheesy sein. Geruch recht süss, aber angenehm. Exportig. Im Glas schöne gelbe Farbe, da nicht gefiltert. Krone recht fix weg. Geschmack ist sehr nah am Export. Hopfig, auch ein wenig säuerlich, aber eben nicht eklig wie das Bitburger, welches nach Erbrochenem schmeckt imho. Ein wenig Pfirsich und Zitrus.

Das PB-Export mag ich halt sehr gerne, und das hier ist schon irgendwie die Basis desselben. Insgesamt echt ordentlich. Eine würdige Alternative zum Export. Dem Paderborner Pils eh überlegen. Natürlich spielt da eine Menge Heimatgefühl mit. Aber egal. Für ein paar Cent die Dose oder Flasche, probiert es aus. It’s awesome, trust me, cheapest good beer in the world oder so. Faszinierenderweise wird es auch einfach nicht schal.

Ob es überhaupt überregional erhältlich ist, ist die Frage. Günstig ist auch dieses Bier, ca. 8 Euro die Kiste.

 

Kurz-Review Writers Tears Cask Strenght Limited Edition 2013

So, jetzt probier ich ihn mal. Letzte Woche wie bereits im Vorgängerpost zu lesen war geschenkt bekommen. Single Malts mit Pure Potstill. Nicht kühlgefiltert, nicht gefärbt, dreifach destilliert.

Da die Walsh-Distille erst seit letztem Jahr selbst brennt sind das Pot Stills und Single Malts aus der Midleton-Distille, von Bernad Walsh selektiert und in amerikanischer Eiche gereift.

Nase: Sanfte Vanille meets Äpfel. Birne. Weihnachtsplätzchen. Malz. Karamell. Frisches Kraut. „Frühlingshaft“. Eiche. Quitte. Pfirsich? Bissl Ingwer, Lebkuchen. Met. Honig. Recht komplex.

Zunge: Karamell und weiße Vanille. Malz/Getreide/Cerealien. Apfel. Banane. Gewürze. Eiche. Mischung aus „Weihnachten“ und Frische. Plätzchen. Nussig. Der Alkohol gibt den Dampf, den ich bei dem „normalen“ vermisst habe. Das schiebt vor allem die Würze, aber auch die Keks-Noten nach vorne.

Abgang: recht lang, eichig würzig. Nussig und weiße Schokolade. Warm.

Fazit: der extra Dampf hat ihm gut getan. Sehr sehr leckerer Ire. Leider nicht so günstig. Aber war ja ein Geschenk. Jetzt, nach den ersten Schlücken, würde ich ihn sogar kaufen. Nen Korken nur aus Stylegründen (ist ja eigentlich wumpe) wäre noch der Knaller bei nem Iren, der Richtung 100 Euro marschieren kann.  Der „normale“, der mir trotzdem ganz gut gefallen hat, hatte da 7,7 als Durchschnittsnote in diesem Blog (der olle Murray hat dem normalen 93! gegeben…). Imho einer der besten Iren nach meinem subjektiven Empfinden.

Normalerweise hat mensch ja immer etwas Angst, wenn Freunde, die nicht so in diesem Malthead-Dingen stecken, einem einen Whisky oder Whiskey schenken (die berüchtigte Jim Beam-Buddel von Tante Erna…) und die stecken nicht so in der Materie. Daher war ich besonders überrascht. Super Wahl! Danke! Gute Freunde halt :D. Die Aufmachung in der Holzbox ist auch sehr schick. Großes, schweres Biest. passt aber leider nicht in einen Kallax/Expedit ;).

Review Bruichladdich Port Charlotte Islay Barley 2008

Nachdem ich den Port Charlotte Scottish Barley bereits probiert habe, wollte ich auch mal den Islay Barley probieren. Der Unterschied ist, daß jedwedes Getreide für diesen Islay Whisky auch von Islay stammt, sogar die Farmen sind angegeben. Die Gemeinsamkeit ist, daß es sich bei den Port Charlottes, einer sogenannten „Lost Distillery“, also einer nicht mehr betriebenen Brennerei, von Bruichladdich um die Getorften handelt. „Moment“, werden einige sagen, „Islays sind doch immer getorft?“. Weit gefehlt, denn sowohl Bruichladdich als auch Bunnahabhain von der Hebrideninsel Islay sind eigentlich für ihre Torf-Rauchfreien Scotches bekannt.

Das „Heavily Peated“ ist allerdings für Freunde der anderen Islays wie Lagavulin, Laphroaig, Ardbeg und Co eher als „medium peated“ oder gar „lightly peated“ zu sehen („peated“=getorft, also das Malz wird über Torfrauch gedarrt, was den charakteristischen Geschmack einiger legendärer Islay-Scotches gibt, der zwischen Rauch, Schinken, Asche, Jod, Meersalz und Kräutern changieren kann, durch die sogenannten Phenole. Auch hier werden vielleicht einige Menschen einwenden „Moment, der hat doch 40ppm?“. Also auf jedes Millionste Teilchen kommen 40 Teile Rauch. „Das ist doch wie ein Laphroaig oder Lagavulin. Der müsste doch auch so intensiv sein?“. Das hat einen einfachen Grund: Bruichladdich misst die Rauch-ppm VOR dem Prozess in der Gerste, die anderen Islays im Endprodukt. Und über den Herstellungsprozess wird der Rauch natürlich weniger, vor allem über die Lagerung über Jahre. So bleiben am Ende vielleicht noch 20ppm übrig.

Der Bruichladdich Port Charlotte Islay Barley hat keine Altersangabe (sogenannter NAS-Whisky, Non Age Statement), aber ist ca. 7 Jahre alt wie allgemein bekannt ist und gerechnet werden kann. Normalerweise ist das sehr sehr jung für einen Whisky und bringt immer eine gewisse metallische „Räudigkeit“ mit, aber nicht so in diesem Fall. Er ist ungefärbt, nicht kühlgefiltert und mit 50% abgefüllt. Genauso wie es sein soll. Das Färben und Kühlfiltern ist eine Unsitte der Gleichmacherei der industriellen Großproduktion und sollte in einem Naturprodukt wie diesem nicht vorkommen. Leider machen es viele. Aber nicht Bruichladdich!

Gereift ist er in amerikanischen Ex-Bourbonfässern sowie europäischen Eichenfässern, leider bei letzteren keine genaue Beschreibung. Ich gehe aber nicht von einem Sherry-Finish aus, rein vom Geschmack her.

In der Nase ist er sehr angenehm. Der Rauch ist sehr dezent, dahinter kommt eine wunderbare malzige Süße. Gefolgt von etwas Orange und Mango. Also Früchten, die etwas dezenter sind. Kräuter, Gras. Dann wieder der Rauch, der aber nicht überdeckt, sondern schön mit den anderen Aromen spielt. Maritimer Geruch von Meersalz, wie eine Brise von der See. Immer wieder faszinierend, wie die Islays den Geruch ihrer Heimat transportieren können.

Auf der Zunge gesellen sich noch eine ordentliche Portion Karamell und etwas Vanille zu den Aromen, die bereits in der Nase waren. Das ganze Erlebnis ist sehr smooth, trotz (oder grade wegen?) der 50% Vol geht er runter wie Öl. Kein alkoholisches Stechen, kein unangenehmer Geschmack. Der Rauch ist vorhanden, manchmal sogar kurz vor einem Laphroaigigem „Asche“, aber dann wieder eher süss. Die Eiche schmeckt mensch ebenfalls, eine kleine Portion Würze. Dabei ist er doch noch recht jung. Von der metallischen Jugend ist hier wenig zu spüren. Beim Scottish Barley dieses Jahrgangs war mir das mehr aufgefallen. Ein wenig Minze kommt ebenfalls durch.

Der Abgang ist lang, trocken und würzig, aber mit der immer erlebbaren Malznote. Toll.

Fazit: Normalerweise bin ich kein Fan von NAS-Whiskies. Aber der Port Charlotte Islay Barley ist toll. Nicht gefärbt, nicht kühlgefiltert, mit der richtigen Volumenzahl abgefüllt, das ist schon mal Scotch wie Scotch sein soll. Nur lokale Inhaltsstoffe, regional bis zur Dose, super. Geschmack, Aroma, alles top. Ich finde ihn auch gezähmter und abgerundeter wie den Scottish Barley und würde daher mittlerweile den Islay Barley immer vorziehen. Der Unterschied kann aber auch den Jahrgängen geschuldet sein. Oder aber das Klima der Hebriden, zu denen Islay gehört, hat tatsächlich solch einen Einfluss auf den Geschmack der Gerste.

 

Kurz-Review The Dalmore 15 Jahre Single Malt

Während des Herbst-Urlaubes an der Ostsee waren wir auch für einen Tag auf Fehmarn. Dort bin ich beim Schlendern im sehr schönen Laden Steam & Whisky gelandet. Superfreundlicher Service. Und bin, neben zwei kleineren Probefläschchen Laphoraig 18 und Ardbeg Corryvreckan mit einer großen Flasche The Dalmore 15 Jahre nach Hause bzw. in die Ferienwohnung gegangen. Auch der Preis war mehr als fair, ca. 5 Euro unter dem normalen Durchschnittspreis von 65€ die Buddel.

Die Farbe besteht wie bei vielen Malts aus nicht schmeckbarem Karamel aka Zuckerkulör. Machen leider sehr viele Distillen, auch wenn der Trend zurück geht. Aber dieser Malt hier reift nach 12 Jahren nochmal drei Jahre in drei verschiedenen Sherry-Fässern. Oloroso, Apostoles und Amoroso. Das gibt ein wenig die Farbe, aber nicht so krass wie auf dem Bild, aber auf jeden Fall den Geschmack.

Nase: Mandel, Vanille, dahinter Orange. Blutorange? Zitrusfrüchte, aber eben eher in diese Richtung. Dann wird es weihnachtlich. Zimt und Muskat. Lecker. Die Eiche passt dazu super, die schleicht sich dann von hinten an.

Zunge: Der Nase sehr ähnlich. Schön smooth. Mandel und Vanille und Gewürze und im Hintergrund immer noch die Orange. Könnte allerdings echt 3-6% mehr Alkohol vertragen. Wieder mal verpasstes Potential :(. Imho sind in diesen paar Prozent mehr viele Geschmacksnuancen erst möglich, Alkohol ist halt ein Geschmacksträger. Aber das ist persönliche Ansichtssache. Sherry-Einfluss kommt eher im Zusammenspiel der Aromen durch.

Abgang: Mittellang, würzig, aber trotzdem noch süss und smooth. Sehr sehr angenehm.

Insgesamt ein toller Highland-Whisky. Schade, daß es Cask Strengths anscheinend nur von Signatory (bei denen es oft wahre Perlen gibt), die sich das auch gut bezahlen lassen.

Kurz-Review Bunnahabhain 12 Jahre Islay Single Malt

Bunnahabhain ist immer an mir vorbei gegangen. Obwohl ich eigentlich alle Islays sehr mag und von bestimmt 40 verschiedenen Single Malts, die ich getastet habe bisher diese zu meinen Favoriten gehören, hab ich mir bei dem gedacht, OK, kein Torf, irgendwann. Obwohl ich die Bruichladdich ja eigentlich auch mag. Aber pünktlich zur Wintersonnenwende 2016 😉 wurde mir vor eine Flasche geliefert :D. Ach ja, nicht gefärbt, nicht kühlgefiltert. So muss das!

Beim ersten Tasting habe ich mich mal mit dem Kindle zurück gezogen, Ehefrau war auf Firmen-Weihnachtsfeier, und ausgiebig geschnuppert und kleine Schlücke probiert.

Erster Eindruck für nen Bunnahabhain-Noob: Riecht schon sehr schön. Die angebliche Rauchnote finde ich gar nicht. Aber Nüsse. Und Eiche. Holz. Baum. Karamell. Was leicht maritimes liegt drüber, aber das ist kein Rauch. Granatapfel. Doc Martens. Echt. Frische Doc Martens. Der Ledergeruch :D. Den kenne ich recht gut, weil ich seit 28 Jahren Docs trage. Aber angenehm. Zimt und Muskat. Weißer Pfeffer? Sherry (Sherry-Fässer sind mit im Spiel) nur sehr dezent.

Der erste Sip: Süß. Pfeffer. Muskat. Karamell. Haselnuss. Schoki. Ganz leichter „Chili Catch“. Hat Dampf im süßen Abgang, die 46% tun dem echt gut. Gleich mal probiert, was er von ein wenig Wasser hält. Hmm. OK. Ohne war besser. Der ist schon komplex genug, aufgeschlossen wird da relativ wenig bis nichts imho.

Ein paar Tage später erneut probiert an den Weihnachtsfeiertagen: Er bleibt zwischen komplex, würzig aber trotzdem smooth angenehm. Ein wirklich guter Tropfen!

Paddys Day Battle of the Irish Whiskeys

Dieser Beitrag wurde aus dem sozialen Netzwerk Google Plus hierhin transferiert. Der Test fand ursprünglich am St. Patricks Day statt.

Zum Saint Patricks Day heute ein kleiner Battle dreier irischer Blends. Einen Jameson Select Reserve Black Barrel, Nachfolger des zwölfjährigen Jameson, ein Teeling Small Batch Rum Cask, gefinisht in nicaraguanischen Rum-Fässern und ein Writer’s Tears Pure Pot Still, also der einzige nicht Blend. Alle so um die dreißig Euro.

Werde mal bei einem Film die nächsten zwei Stunden schnuppern und süffeln, Ehefrau ist unterwegs ;). Nein, das ist nicht viel Alkohol. Auf Bier umgerechnet ist das ungefähr ein Glas Weizen. So. Was haben wir denn. Yes, Expendables I und II. Der Abend ist gerettet. Dann schütten wir mal ein…

So, am Ende des Abends fertig. Tasting Notes ausgewertet. Für Details hab ich diese mal hier rechts rein gepackt. Das erläutert auch mein System recht schnell, wer es nicht versteht, für die Nase gibt es bei „Battles“, die feiner gestimmt sein müssen als Einzelreviews, 100 Punkte max für jeweils Nase und Aroma und 50 für Abgang. 211 Punkte in meinem System (max 250) für den Jameson, 195 für den Teeling, 210 für den Writers Tears. Wenn letzterer nur 3% mehr Alkohol hätte, dann hätte er wohl gewonnen. Allesamt gute, ab 190 ist schon nett.

 

Hier gibts den Writers Tears

Hier gibts den Jameson

Hier gibts den Teeling

Kurz-Review Houblon Chouffe Triple Indian Pale Ale

Mein Lieblingsbelgier momentan, vielleicht sogar mein aktuell am liebsten im „Discounter“ gekaufte Bier aus der Exoten-Ecke, das Houblon Chouffe Triple Indian Pale Ale. Aus der Brauerei D’Achouffe kommen einige sehr sehr schöne Biere, dieses hier ist allerdings mein Favorit. Schaut doch einfach mal bei deren Website direkt vorbei. Also kommen wir zu (1) Geruch, (2) Geschmack, (3) Abgang und Fazit.

  1. Gleich nach dem Öffnen eröffnet sich eine recht typische Indian Pale Ale-Welt. Es riecht nach Mango, Pfirsich, Papaya, Mandarine. Die Hopfensorten in vielen IPAs gehen ja in die Richtung. Da freut sich doch die Nase.
  2. Im Geschmack kommt dann noch Zitrone, eher fast Limette dazu, dann auch etwas bittere Orangen. Extrem erfrischend.
  3. Hopfiger Abgang mit Grapefruit. Ein Knaller.

Dieses Ale knallt aber auch. Die 9% bemerkt mensch erst nach dem Trinken. Als ich dieses Bier das erste Mal mit einem Freund im Sommer trank waren wir verwirrt, daß wir nach einer Flasche bereits einen spürbaren Alkohol-Effekt bemerkten. Sind ja nur 0,33l. Aber als wir dann schauten, wieviel %vol dieser Zwerg hat, waren wir mehr als überrascht. Es ist nämlich zu keiner Zeit als „schweres“ im Sinne von stark alkoholischem Bier zu erschmecken. Das ist sicher eine Eigenheit vieler stärkerer IPAs, aber hier ist das meines Erachtens auf die Spitze getrieben. Davon ein  Kasten auf einer Party im Sommer und… Exitus :D. Nicht billig, aber großartig.